Tirols Mühlen mahlen schrecklich langsam

12. Juni 2002, 19:54
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Landesvize will helfen - Exchef Kerscher einvernommen

Innsbruck/Wien - Tirols Politik scheint sich spät, aber doch für den FC Tirol hineinzuhauen. Gestern wollte man die für Dienstag angesetzt gewesene Sitzung mit den Spielern des FC Tirol nachholen. Der neue FC-Tirol-Geschäftsführer Martin Schneider bezeichnete vor allem den Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle als bemühten Tirol-Versuchssanierer. Das passt. Eberle, der ungefähr zur Zeit des Länderspiels in Innsbruck vor mehr als einem Jahr einen Konflikt mit Landeshauptmann Wendelin Weingartner um die vorzeitige Übergabe des Büros verlor, ist mit dem Chef der Tiroler Raiffeisen Bank, Fritz Hakl, befreundet.

Hoffnungsloser Fall

Hakl bezeichnete den Verein zwar vor einiger Zeit sinngemäß als hoffnungslosen Fall, aber da war die hohe Tiroler Politik auch noch nicht mit im Spiel. Eberle (51) gilt als jung und ehrgeizig genug, den Landeshauptmann in spe, Herwig van Staa, dereinst zu beerben. Und bei einem Mann, der Landeschef werden will, passt der Titel des Retters vom FC Tirol natürlich perfekt in den Lebenslauf.

Mittlerweile bereitet man im Klub den Protest gegen die Lizenzverweigerung der Bundesliga vor, heute soll das Schriftstück übergeben werden. Tirols Präsident Othmar Bruckmüller wurde von den Behörden einvernommen, und es bleibt weiterhin unklar, ob er die geforderten 4,5 Millionen EURO auf ein Treuhandkonto eingezahlt hat oder nicht. Bruckmüller versichert weiterhin, das Geld zu haben und überwiesen zu haben.

Informationssperre

Im Umkreis des in U-Haft sitzenden Managers Robert Hochstaffl herrscht Informationssperre, mittlerweile wurden der in der Vorwoche suspendierte, mit Hochstaffl bekannte Finanzbeamte (Wohnungskauf-Affäre) und ein weiterer Beamter, der als Helfer tätig gewesen sein soll, am Mittwochmittag wegen Verdunkelungsgefahr in Verwahrungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Amtsmissbrauch und Abgabenhinterziehung vor.

"Höchste Zeit"

Auch Expräsident Martin Kerscher wurde gestern von der Staatsanwaltschaft im Rahmen einer Voruntersuchung einvernommen. "Der Vorwurf der Abgabenverkürzung der Krankenkassa ist, glaube ich, weg", sagte er, "jetzt muss der Staatsanwalt entscheiden, ob ich wegen fahrlässiger Krida angeklagt werde." Was sagt er, den Van Staa wegen seiner Äußerungen ("im Stich gelassen, angelogen") klagen wollte, zur Rettungsaktion der Tiroler Politiker? Kerscher: "Höchste Zeit. Vielleicht haben meine Äußerungen dazu beigetragen, dass sie aufwachen. Wir sind ja wirklich im Stich gelassen worden, wir haben extreme Umwegrentabilität geschaffen, und über Kommunalabgabenerleichterung war nicht zu reden." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag 12. Juni 2002, josko)

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