Erste Gewinne der Asfinag

13. Juni 2002, 15:53
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Der Lkw-Maut soll die Einnahmen verdoppeln

Wien - Die Asfinag hat 2001 erstmals in ihrer fünfjährigen Geschichte Gewinne geschrieben. Unterm Strich blieb der österreichischen Autobahnfinanzierungsgesellschaft im vergangenen Jahr ein Gewinn nach Steuern von 8 Mill. Euro. Die Erträge erhöhten sich im vergangenen Jahr von 501 auf 619 Mill. Euro. 307 Mill. Euro davon stammen aus den Auotbahn-Vignetten, deren Preis sich im Vorjahr nahezu verdoppelt hat. Gebaut wurde 2001 für 545 Mill. Euro, auch die Investitionen haben sich somit um 124 Mill. Euro erhöht. Allerdings stiegen damit auch die Schulden der Asfinag, nämlich von 6,7 Mrd. Euro auf 7,1 Mrd. Euro. Ein Rückgang der Asfinag-Verbindlichkeiten wird erst gegen Ende des Jahrzehnts erwartet.

Asfinag-Generaldirektor Walter Hecke zeigte sich am Donnerstag "nicht unerfreut" über die Gewinne. In den nächsten beiden Jahren solle das Ergebnis konsolidiert werden. Mit der Lkw-Maut ab 2004 will die Asfinag dann richtig "abheben", wie Hecke vor Journalisten erklärte. Die Erträge sollen sich mit Einführung der geplanten Lkw-Maut von durchschnittlich 22 Cent je Kilometer mehr als verdoppeln, die Gewinne damit nachhaltig abgesichert werden. An die Einführung einer streckenabhängigen Pkw-Maut bzw. an eine Erhöhung der Vignetten-Gebühren wird derzeit nicht gedacht.

Auftrag

Derzeit geht die Asfinag nach wie vor von einem Start der Lkw-Maut am 1. Jänner 2004 aus. Dafür müsste der Auftrag an die bereits ernannten Errichtungs- und Betriebsgesellschaft, die italienische Autostrade, aber noch in diesem Monat erfolgen. Das in der Ausschreibung gegen die Autostrade unterlegene Siemens-Konsortium hat mittlerweile einen zweiten Schlichtungsantrag bei der Vergabekommission eingebracht, nachdem ein erster abgelehnt worden war. Sollte Siemens nun wie angekündigt auch einen Antrag auf einstweilige Verfügung stellen, würde das voraussichtlich eine Verzögerung der Vergabe bis mindestens Juli bedeuten.

"Damit würde sich die Einführung der Lkw-Maut um mindestens einen Monat verzögern. Der Asfinag würde damit ein unwiederbringlicher Schaden entstehen", klagt Hecke. Jedes Monat Verzögerung bedeute einen Einnahmenentfall von 50 Mill. Euro. Insgesamt rechnet die Asfinag nach Einführung der Lkw-Maut nach 2,5 Mrd. Euro Einnahmen in den vergangenen fünf Jahren ab heuer bis 2006 mit 5,1 Mrd. Euro. Im selben Ausmaß soll auch das Bauvolumen steigen von 1,9 Mrd. Euro zwischen 1997 und 2001 auf 4,1 Mrd. Euro 2002 bis 2006.

2.112 km Autobahnen

Derzeit sind Projekte im Wert von 1,8 Mill. Euro in Bau. Die Generalsanierung der A1 Westautobahn soll bis 2008 zumindest zu 80 Prozent abgeschlossen sein, der vierspurige Ausbau der A2 Südautobahn von Wien bis Guntramsdorf bis 2006 und der Vollausbau der A2 im Packabschnitt bis 2004. Weitere laufende Projekte sind der Lückenschluss der A9 Phyrnautobahn im Bereich Klausen, der bis Spätherbst 2003 fertig gestellt werden soll und der Endausbau der S6 Semmeringschnellstraße, der bis Herbst 2004 abgeschlossen werden soll.

Der größte Spatenstich des vergangenen Jahres war der Neubau der B301, der Wiener Südumfahrung. Sie soll bis 2006 fertig gestellt werden. Derzeit umfasst das Asfinag-Netz 2.112 km Autobahnen und Schnellstraßen, das sind 16 Prozent des gesamten österreichischen Straßennetzes. Fast 50 Prozent des österreichischen Gesamtverkehrs und sogar 65 Prozent des Lkw-Schwerverkehrs werden über dieses Netz abgewickelt.

Aufsichtsratswechsel

Am Mittwoch hatte die Asfinag den Rücktritt ihres Aufsichtsratsvorsitzender Othmar Bruckmüller bekannt gegeben. Nachdem das Mandat am 30. Juni ausgelaufen ist, folgt ihm der Kärntner Rechtsanwalt Johann Quendler. (APA)

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