MobilCom prüft rechtliche Schritte gegen France Telecom

12. Juni 2002, 16:19
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France Telecom: Bruch mit MobilCom "kein Bluff" - Firmenpleite möglich

Im Konflikt zwischen der Telekomgesellschaft MobilCom und ihrem Großaktionär France Telecom zeichnet sich keine Entspannung ab. MobilCom will möglicherweise gerichtlich gegen France Telecom vorgehen. "Wir prüfen diese Möglichkeit, aber ein Ergebnis wird erst in der nächsten Woche vorliegen", sagte Unternehmenssprecher Matthias Quaritsch am Mittwoch am Sitz des Unternehmens in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

France Telecom hatte das Abkommen mit MobilCom über den Aufbau eines UMTS-Netzes in Deutschland am Tag zuvor einseitig gekündigt. Aus Sicht von MobilCom waren die Franzosen dazu nicht berechtigt. So seien in den Rahmenabkommen (Cooperation Framework Agreement/CFA) verschiedene Stufen vorgesehen, ehe eine Kündigung ausgesprochen werden könne, zum Beispiel eine schriftliche Abmahnung. Daran hätten sich die Franzosen nicht gehalten.

Gleichzeitig würden die Gespräche zwischen allen Beteiligten an der Krise fortgesetzt, erklärte der Firmensprecher. Eine geplante Sitzung des Aufsichtsrats werde vermutlich vorgezogen. Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf France Telecom vor, den Kurs der MobilCom-Aktie absichtlich nach unten zu drücken, um selbst billig an die Anteile von Firmengründer Gerhard Schmid und der Kleinaktionäre zu kommen.

Die deutsche Finanzaufsicht nimmt den Kurssturz der MobilCom-Aktie vom Dienstag ins Visier. Es bestehe der Verdacht, dass es illegale Geschäfte (Insiderhandel) mit den Papieren gegeben habe, sagte Thomas Eufinger von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) der dpa. Daher prüfe die Behörde, ob es vor der Ankündigung von France Telecom, die Zusammenarbeit mit MobilCom beim Aufbau des UMTS-Netzes zu beenden, auffällige Kursbewegungen gegeben habe.

Der Kurssturz der MobilCom-Aktie vom Dienstag setzte sich nach anfänglicher Erholung auch am Mittwoch fort. Am Nachmittag notierte das Papier bei rund sechs Euro und damit nochmals 20 Prozent niedriger als am Tag zuvor. Auch der Kurs der Aktie von France Telecom gab an der Pariser Börse um fünf Prozent auf 17,90 Euro nach, nachdem er noch am Vortag um mehr als acht Prozent gestiegen war.

France Telecom hat beteuert, dass er die Zusammenarbeit mit dem angeschlagenen Partner MobilCom ernsthaft beenden will. Der am Vorabend bekannt gegebene Bruch mit dem norddeutschen Unternehmen und Firmenchef Gerhard Schmid sei "bestimmt kein Bluff", sagte Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra am Mittwoch im Radiosender Europe 1. "Wir haben das Rahmenabkommen, das uns mit MobilCom und Herrn Schmid verband, unwiderruflich beendet."

Vinciguerra wies Marktspekulationen zurück, sein Konzern wolle mit seinem jüngsten Schritt den MobilCom-Aktienkurs drücken, um das Büdelsdorfer Unternehmen dann günstig übernehmen zu können. Wenn keine "vernünftige Lösung" mit Schmid sowie den Gläubigern und Lieferanten von MobilCom gefunden werde, "könnte die Firma Pleite gehen", betonte der Finanzvorstand des Pariser Telefon-Riesen. Ende Juli muss MobilCom einen Großkredit über 4,7 Mrd. Euro ablösen. Das geht nur mit Hilfe von France Telecom. Wenn die Franzosen nicht mitziehen und den Geldhahn zudrehen, muss MobilCom in die Insolvenz.

"France Telecom kann ohne Deutschland leben, und wir wollen nicht um jeden Preis in Deutschland bleiben." Im Zweifelsfalle könnten sich die Franzosen zudem einen anderen Partner suchen, um den deutschen Mobilfunk-Marktführern Telekom und Vodafone Paroli zu bieten.

Die Franzosen hätten ein "ethisches Problem" mit ihrem bisherigen Partner, betonte Vinciguerra. France Telecom wirft Schmid vor, mit Börsengeschäften mehrfach deutsches Recht gebrochen zu haben, ohne dass der MobilCom-Aufsichtsrat eingegriffen hätte.

Die Pariser dürften in Kürze einen aussichtsreichen Versuch unternehmen, Schmids abzulösen. Dabei werde im Aufsichtsrat wohl die einfache Mehrheit der Stimmen reichen - anstelle der bisher erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit. France Telecom verfügt über sieben der zwölf Sitze und hatte bisher mehrfach vergeblich versucht, den Rausschmiss von Firmengründer Schmid zu erreichen. Die nächste Sitzung des Aufsichtsrates war bisher für den 21. Juni geplant, soll aber nach Firmenangaben vorgezogen werden.(APA/dpa/AFP) http://www.mobilcom.de

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