"Sängerknaben und Sofa Surfers"

13. Juni 2002, 18:56
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Wien fördert innovative Projekte der "Creative Industries"

Wien - 1,5 Millionen Euro stellt die Stadt Wien im Rahmen der Technologieoffensive "Wiennovation" aus den Mitteln der Wirtschaftsförderung zur Unterstützung innovativer Ideen und Projekte im Bereich der "Creative Industries" zur Verfügung.

"Das macht den Reiz der Sache aus"

"Es geht nicht darum, Kulturförderung zu ersetzen oder Kunst und Kultur an die lange Leine der Wirtschaftsförderung zu nehmen", sagte Wiens Finanzstadtrat Sepp Rieder (S) am Mittwoch bei der Präsentation des Vorhabens. Vielmehr gehe es um die "Entwicklung eines enormen Zukunftspotenzials", um die Förderung jener "neuen Felder, die bisher nicht erfasst sind". Die inhaltliche Bandbreite der Kreativprojekte soll bewusst möglichst wenig eingeschränkt werden: "Das macht den Reiz der Sache aus. Es geht um Ideen. Und sie müssen wirtschaftlich nutzbar sein."

"Zwischen Sängerknaben und Sofa Surfers", nannte der Klubobmann der Wiener Grünen, Christoph Chorherr, das Spektrum der "Creative Industries", bei dem die zeitgenössische Produktion von Musik, Mode oder Design ebenso entsprechende Förderung erhalten solle wie Grafik, Architektur, Multimedia oder Fotografie. Rieder hob ebenso wie der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig, die enorme Bedeutung des Kultursektors bei Beschäftigung und Wertschöpfung hervor. So sollen derzeit in Wien rund 60.000 Menschen in entsprechenden Branchen tätig sein, österreichweit wären es rund 140.000. Mindestens fünf Prozent der Wiener Unternehmen seien bereits im weitesten Sinne in den "Creative Industries" tätig.

Zielrichtung und Fristen

Die 1,5 Millionen Euro werden für Projektförderungen (bis zu einer Höhe von 250.000 Euro und bis maximal 60 Prozent der jeweiligen Projektsumme, wobei ausschließlich Personalkosten gefördert werden) sowie für Prämien der drei besten Projekte (15.000, 10.000 und 5.000 Euro) verwendet.

Die Einreichfrist dauert von 20. bis 27. September. Bereits jetzt können alle notwendigen Informationen per Telefon (01 - 596 38 88) oder per Mail (call@wiennovation.at) bezogen werden. Die erste einer Reihe eigener Info-Veranstaltungen über den Wettbewerb und seine Teilnahmebedingungen ist am 20. Juni, 20 Uhr, im Architekturzentrum Wien geplant. Für die Erarbeitung professioneller Einreichunterlagen stellt der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) kostenlos Berater zur Verfügung.

Ende November soll eine Jury unter der Leitung der früheren ORF-Programmintendantin Kathrin Zechner (weitere Mitglieder sind u.a. der österreichische Regisseur Virgil Widrich, die niederländische New-Media-Spezialistin Monique van Dusseldorp und Heikki Masalin, die finnische Geschäftsführerin des einzigen europäischen Venture Fonds für Creative Industries) die besten und kreativsten Projekte auswählen, die im Dezember öffentlich ausgezeichnet werden.

Ausbildung in Begutachtung

Parallel zur vermehrten wirtschaftlichen Förderung dieses Zweiges ist auch eine Stärkung des Ausbildungssektors geplant: Ein Fachhochschullehrgang "Wissensmanagement, Informations- und Kulturvermittlung mit neuen Medien" ist derzeit im Fachhochschulrat in Begutachtung. Nettig: "Wir hoffen auf eine rasche Genehmigung, damit wir den Lehrgang spätestens im Herbst 2003 starten können." (APA)

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