Wahlwerbung? "Sicher nicht!"

26. August 2003, 18:50
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derStandard.at wagte sich nach Graz und nahm an einem mediengerecht inszenierten Einsatz der FPÖ-Bürgerwehr teil

"So geht das nicht!" Der ZDF-Journalist echauffierte sich über den unerwartet hohen Presseandrang. Pünktlich zum High Noon empfingen vier Sheriffs der FP-Bürgerwehr zehn JournalistInnen zum verabredeten Rundgang im Grazer Volksgarten. Das deutsche Fernsehteam duellierte sich mit einem ebenfalls anwesenden finnischen TV-Sender um die besten Shots. Einteilung in zwei Gruppen: Die Finnen rechts durch den Park, die Deutschen links.

Kamera ab

Brav folgten die Mitglieder des "Vereins für Schutz und Sicherheit" den Regieanweisungen der Kameramänner, die sie durch die engen Wegerl dirigierten. PassantInnen erhielten Broschüren und wurden über den "beängstigenden Anstieg der Drogenkriminalität" informiert.

"Jetzt nicht, die drehen gerade." Der erste Versuch von derStandard.at, mit der Bürgerwehr Kontakt aufzunehmen, schlug fehl. Das Fernsehen ging vor.

Der finnische Reporter hatte sich mehr erwartet. "Das is ja nur so eine Medieninszenierung, das ist nicht das was ich mir vorgestellt habe", murrte er.

Die Deutschen wirkten zufriedener. Sie bekamen einen älteren Herren vor die Linse, der lobende Worte für die Bürgerwehr fand, "weil ein jeder Polizist ist von mir aus gsehen ein armer Teufel, dem sind die Hände gebunden, der traut sich gar nicht so einen Bimbo angreifen" und da käme die Unterstützung durch den neuen Verein gerade recht.

Kamera aus/derStandard.at-Diktiergerät ein

Von Erlebnissen mit "ihrer" Bürgerwehr können die GrazerInnen nicht viel berichten (siehe: derStandard.at-Umfrage im Volksgarten). Die meisten haben sich bis jetzt auch nur über die Medien ein Bild über sie gemacht, denn anzutreffen seien sie so gut wie nie. Es werde sehr wohl regelmäßig patrouilliert, versicherte dagegen Christian Loigge, von Beruf aus in einem privaten Sicherheitsunternehmen tätig und in der Freizeit für die Bürgerwehr. Ab Herbst wolle man den Aktionsradius auf den Stadtpark ausweiten.

Vor allem wolle man Schulkinder vor "aggressiven Drogenverkäufern" schützen und alleine durch die Anwesenheit eine "Abschreckungswirkung" erreichen. Allerdings wurde laut Loigge bisher noch kein einziger "Deal" beobachtet und so konnten auch noch keine kriminell verdächtigen Vorfälle an die Exekutive weitergeleitet werden. Ziel sei jedenfalls eine gesetzliche Verankerung der Idee mit finanzieller Aufwandsentschädigung, es gebe auch schon Gespräche mit dem Justizminister in diese Richtung.

Alkohol am Steuer schlecht

Auch der Jusstudent und RFS-Vize-Bundesvorsitzende Hannes Kahr marschiert ehrenamtlich. "Unser Ziel ist das Verlagern des Problems, weg von der Schule." Wohin, das wisse auch er nicht so genau. Seine persönliche Motivation gründet in der Achtung vor dem Gesetz: "Illegal is illegal und legal is legal". Haschisch im Wohnzimmer und Alkohol am Steuer findet er gleich schlecht, "wir wollen da aber nicht die große Prohibition wieder einführen". Würde er sich auf einem Studentenfest befinden, auf dem Marihuana geraucht wird, würde er die Exekutive rufen.

Glücklich waren alle über das vorzeitige Ausscheiden Frankreichs bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Weil die hätten laut Loigge ja schließlich am meisten gegen die FPÖ und Österreich gehetzt. Der aus Klagenfurt Stammende ist aus Frust über die internationale Erregung nach der Regierungsumbildung von der ÖVP zur FPÖ konvertiert. Wahlwerbung betreibe man "sicher nicht", das würde alles von den Medien hineininterpretiert. (red)

Stefan Vogtenhuber, Elke Murlasits und Rainer Schüller berichten aus Graz
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