Etappen eines Mißerfolgs

12. Juni 2002, 13:57
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München - Der Zerfall der KirchGruppe hat Ende vergangenen Jahres begonnen. Im Folgenden die die wichtigsten Etappen:

7. Dezember 2001: Die KirchGruppe dementiert erste Spekulationen über eine feindliche Übernahme durch den Medienmogul Rupert Murdoch.

30. Jänner: Der Axel Springer Verlag fordert für seine Beteiligung an der ProSiebenSAT.1 rund 770 Mill. Euro von der KirchGruppe zurück. Kirch erklärt die Verkaufsoption für unwirksam.

4. Februar: Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer stellt öffentlich die Kreditwürdigkeit der KirchGruppe in Frage.

8. Februar: Murdoch schreibt die Beteiligung auf seinen Anteil am Bezahlsender Premiere im Wert von etwa 1,6 Mrd. Euro ab und kündigt an, seine Investitionen im Herbst zurückzufordern.

11. Februar: HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt eilt Leo Kirch zur Hilfe und bietet 1,1 Mrd. Euro für die Springer-Beteiligung.

23. Februar: Leo Kirch meldet sich in der Krise erstmals selbst zu Wort und sagt in einem "Spiegel-Interview" über eine Übernahme durch Murdoch: "Dann frisst er mich eben. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen." Vize Dieter Hahn macht mit Spekulationen über den Schuldenstand der KirchGruppe Schluss: Es seien 6,5 Mrd. Euro.

25. März: Leo Kirch ist offensichtlich zum Rückzug aus seinem Kerngeschäft bereit. Auch die Investoren rund um die Medienkonzerne von Murdoch und Silvio Berlusconi bekunden Interesse an der KirchMedia. Die Banken stimmen grundsätzlich zu.

28. März: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) meldet Bedenken gegen einen Einstieg von Berlusconi in den deutschen Medienmarkt an.

3. April: Die Verhandlungen zwischen Gläubigerbanken und Investoren stecken fest. Die KirchGruppe zieht einen Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft in Erwägung.

8. April: Die KirchGruppe stellt Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft, die KirchMedia, zu der ProSiebenSAT.1 und der Rechtehandel gehören. Leo Kirch verabschiedet sich in einem Brief von seinen Mitarbeitern.

2. Mai: Der Axel Springer Verlag leitet rechtliche Schritte gegen die KirchGruppe ein, weil die insolvente KirchMedia den Kaufpreis für die Springer-Anteile an ProSiebenSat.1 Media nicht bezahlt hat.

4. Mai: Leo Kirch zeigt den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, wegen Verrats von Geschäftsgeheimnissen an.

8. Mai: Die Kirch-Bezahlsendersparte KirchPayTV stellt als zweite Säule der KirchGruppe Insolvenzantrag.

13. Mai: Der britische Bezahlfernsehsender BSkyB zieht seine Option auf den Rückverkauf seines Premiere-Anteils an die Kirch-Dachgesellschaft Taurus. Da Kirch die fälligen rund 1,7 Mrd. Euro nicht zahlen kann, rechnen Branchenkreise kurzfristig mit einem Insolvenzantrag der TaurusHolding.

10. Juni: Laut Branchenkreisen verhandelt ein Konsortium um die WAZ- Gruppe über eine Übernahme der Kernstücke der insolventen KirchMedia.

12. Juni: TaurusHolding und KirchBeteiligungen stellen Insolvenzantrag. Die Commerzbank bestätigt Interesse an der KirchMedia. (APA)

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