Betriebsratschef will mehr Geld von Sehern

12. Juni 2002, 18:43
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Sparen geht nicht mehr, sagt Vertreter 2600 ORF-Angestellter

Nicht länger beschränkt sich der Küniglberg auf politisches Lobbying im Hintergrund: Heinz Fiedler fordert öffentlich höhere Gebühren und eine Lockerung der Werbebeschränkungen für den ORF. Und der ist nicht nur Zentralbetriebsratschef und bürgerlicher Stiftungsrat, sondern war auch Königsmacher bei der Wahl von ORF-Generalin Monika Lindner.

Im STANDARD-Gespräch Anfang April bezeichnete er sich selbst als "gewichtiges Element", und das auch im "Netzwerk der politischen Klasse". Zu "Freunden und Gesprächspartnern" zählt er VP-Klubchef Andreas Khol, "letztlich auch den Bundeskanzler". Er habe "den Toppolitikern des Landes auch erklärt, wen ich alles nicht will" als ORF-Chef.

Was er will, erklärte er schon damals: Lockerung der Werbebeschränkungen im neuen ORF-Gesetz. Nun fordert er in einem APA-Interview "eine Mischung" aus diesen und einer "maßvollen" Erhöhung der Rundfunkgebühren. Für 2003 hat diese auch ORF-Generalin Lindner nicht ausgeschlossen, sie sind seit mehreren Jahren nicht angepasst worden. Höheren Gebühren zustimmen muss der Stiftungsrat des ORF, wo Schwarz und Blau die Mehrheit haben.

"Ringwerbung", also gemeinsame Werbeblöcke mehrerer Regionalradios des ORF, wurde mit dem neuen Gesetz untersagt. Fiedler ist das ein Dorn im Auge; ebenso dass Zeitungen und Zeitschriften nur noch sehr eingeschränkt im ORF-Fernsehen werben dürfen. Auch wenn diese Spots dem Küniglberg schon bisher wegen Gegengeschäften und Rabatten wenig Geld brachten, wie der frühere ORF-Werbechef Franz Prenner dem STANDARD bestätigt hat. Die Beschränkung soll weitere Marktverzerrung zugunsten von Mediaprint und News durch TV-Werbung verhindern.

Verlust erwartet

Fiedler erneuert zudem die Forderung, die Republik möge dem ORF - wie der Post - Gebührenbefreiungen abgelten. Ebenfalls Mittwoch meldete die ORF-Gebührentochter einen historischen Höchststand an Beitragszahlern für den ORF - nämlich mehr als 2,5 Millionen.

Sparen am Personal lehnt Fiedler weiter ab. Rund 2600 Angestellte hat der ORF, zum Gutteil in den Landesstudios, dazu einige Tausend freie Mitarbeiter. "Freie Personalkapazitäten gibt es beim ORF längst keine mehr", sagt er: "Personal kann man nur reduzieren, wenn man die Leistungen reduziert: Sendungen einstellt, mehr wiederholt oder nur fünfmal die Woche ,Bundesland heute' spielt."

Der ORF erwartet heuer 50 Millionen Euro Verlust; 2003 müssen nach offizieller Darstellung 60 Millionen eingespart werden, um ausgeglichen zu bilanzieren. Kommende Woche berät der Stiftungsrat die noch positive Bilanz 2001 (DER STANDARD berichtete) und die weiteren Maßnahmen. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.6.2002)

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