Neues Wassernebelsystem zur Brandbekämpfung in Tunnels

12. Juni 2002, 13:52
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Verhindert Ausbreiten der Flammen

Wien - Ein brennender Lkw in einem Tunnel erreicht binnen zehn Minuten eine Temperatur von über 800 Grad Celsius. Nachdem in der Praxis wie bei den Bränden im Tauern- und Gotthardtunnel die Feuerwehr erst nach einer halben Stunde zur Hilfe kam, heißt das, dass sich die Flammen schnell auf weitere Fahrzeuge ausbreiten können. Eine neues System zu einer rascheren Brandbekämpfung, das von einem österreichischen Unternehmens entwickelt und vergangene Woche zugelassen wurde, könnte dieses Szenario verhindern.

Neue System mittels Wassernebel

Denn durch die schnell steigenden, extremen Temperaturen und die starke Rauchentwicklung sei es der Feuerwehr nicht möglich, zu den Fahrzeugen vorzudringen. Und genau das versuche das neue System mittels Wassernebel zu verhindern, sagte Martin Hainzl, Geschäftsführer der Entwicklerfirma Aquasys Technik GmbH. "Auf der gesamten Tunnellänge wird über der Zwischendecke eine Wasserversorgungsleitung verlegt, die nur von außerhalb der Tunnelportale her versorgt wird", so Hainzl. An der Fahrbahndecke werden drei Rohrleitungen mit Spezialdüsen montiert, aus denen bei Systemaktivierung ein feiner Wassernebel austrete. "Trotz des geringen Wasserverbrauchs ist die Fläche, die besprenkelt wird, sehr groß", erklärte der Geschäftsführer.

Der Vorteil: "Die Anlage ist sofort einsatzbereit, dabei handelt es sich nur mehr um Sekunden", sagte Hainzl. Zudem werde die Brandhitze auf 50 Grad Celsius begrenzt und ein Ausbreiten der Flammen verhindert. "Somit ist das Vordringen der Feuerwehr möglich. Und durch das Kühlen der Tunnelstruktur wird ein Herabstürzen der Decke abgewendet", erläuterte der Unternehmer.

Vor der Zulassung des Wassernebelsystems wurden 30 Tests in einem extra dafür gebauten, 200 Meter langen und unbeleuchteten Tunnel in der Schweiz durchgeführt. "Diese sind von internationalen Kontrollinstituten bewacht und ausgewertet worden", berichtete Hainzl. Das System wurde zuvor bereits in der Industrie verwendet und für die Tunnelbrandbekämpfung weiter entwickelt.

Wesentlich technischern Schritt

"Vor 25, 30 Jahren stand schon einmal die Idee im Raum, in den Röhren Sprenkelanlangen einzubauen", erzählte Gerald Kubiza, Vorsitzender des Tunnelausschusses der österreichischen Feuerwehr. "Diese haben sich aber nicht als zweckmäßig erwiesen, da der Wasserdampf durch die Hitze Verbrühungen mit sich gebracht hat. Doch dieses System ist einen wesentlichen technischen Schritt weiter", so Kubiza.

Über die Kosten der Anbringung einer solchen Anlage konnte Hainzl nichts Genaues sagen. "Das kommt auf den jeweiligen Tunnel an. Aber beim Eurotunnel, der 50 Kilometer lang ist, kostet die Installierung z.B. 25 Millionen Euro", erklärte der Unternehmer.(APA)

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