Trendwende bei MAN-Österreich

12. Juni 2002, 13:55
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Es gibt wieder neue Jobs in Wien und Steyr - Optimismus für zweites Halbjahr gedämpft

Wien - Die MAN-Nutzfahrzeuggruppe in Österreich stellt nach deutlichen personellen Aderlässen seit Mitte 2001 wieder neue Mitarbeiter ein: Ab August wird die Herstellung eines Fahrerhauses für eine ganze Lkw-Baureihe von MAN nach Österreich verlagert, wofür 100 zusätzliche Mitarbeiter in Wien und Steyr benötigt werden. Die bescheidene Aufstockung (mit Leiharbeitskräften) markiert dennoch eine Trendwende - noch im April war im Hauptwerk in Steyr kurz gearbeitet worden. "Die ersten Monate waren noch schlecht, der Trend für das zweite Halbjahr zeigt aber eindeutig nach oben", sagte Bruno Krainz, Vorstandssprecher von MAN Österreich, am Mittwoch vor Journalisten.

Derzeit verlassen täglich 74 Lkw die Produktionshallen in Steyr, nach dem Sommer wird der Output auf 82 steigen, hieß es. "Unsere Prognosen zeigen für 2003 und 2004 wieder einen deutlichen Anstieg bei den Absatzzahlen", meinte Krainz. Wann allerdings wieder die Spitzenwerte aus dem Jahr 2000 erreicht würden, sei aber "nicht absehbar".

Rekordverdächtige Produktion

Weil der starke Einbruch im Lkw-Markt erst in der zweiten Jahreshälfte 2001 erfolgt ist, hatte der Münchener Nutzfahrzeugkonzern im vergangenen Jahr in Österreich noch einmal rekordverdächtige 24.000 Lkw produziert. Heuer sind nur mehr 20.500 Fahrzeuge geplant. Die deutlich leerer gewordenen Auftragsbücher haben in Österreich zu einem Abbau von 400 Jobs hauptsächlich in Steyr geführt. Zu 90 Prozent waren davon Leiharbeitskräfte und Beschäftigte mit befristeten Verträgen betroffen, erläuterte das Management.

Insgesamt müssen die MAN-Nutzfahrzeuge bis Jahresende 4.400 Stellen abbauen. Damit trug der Standort Österreich, wo etwa ein Drittel der MAN-Nutzfahrzeuge produziert werden, nur etwa zehn Prozent zum konzernweiten Stellenabbau bei. "Wir haben in Steyr zuerst bewusst die Reduzierung deutlich übertrieben", deshalb habe man der Stammbelegschaft zuletzt versichern können, dass keine weitere Reduzierung mehr stattfinde, sagte Finanzvorstand Horst Rebl.

Busproduktion läuft aus

Die MAN-Nutzfahrzeuggruppe hat in Österreich im vergangenen Jahr mit 4.800 Beschäftigten 1,47 Mrd. Euro umgesetzt. Die besteht aus der MAN Steyr AG (vormals Steyr Nutzfahrzeuge) und der MAN Sonderfahrzeuge AG, der früheren ÖAF - Gräf & Stift in Wien. In Steyr werden leichte und mittlere Lkw gefertigt, in Wien stellt man schwere Sonderfahrzeuge - etwa für das Militär - her. Die Busproduktion in Österreich läuft aus - heuer verlassen die letzten 15 Busse aus Österreich die Hallen des Unternehmens.

Vor der Einführung einer zu hohen Lkw-Maut warnte MAN Österreich-Chef Krainz ausdrücklich. Das künftige Road Pricing werde den Frächter genau so viel kosten wie der Treibstoff und werde die bisherige Besteuerung des Lkw-Transports um ein Vielfaches übersteigen. "Dass das der Frächter bezahlen wird, ist illusorisch", sagte Krainz. Das Road Pricing komme im Endeffekt einer Konsumsteuer gleich, die der Konsument bezahlen werde. (APA)

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MAN
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    man.at
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