Japans Notenbank bleibt bei Nullzinspolitik

12. Juni 2002, 13:41
posten

Analysten: BoJ geht nicht von nachhaltigem Konjunkturaufschwung aus

Tokio - Die Bank von Japan (BoJ) hat am Mittwoch ihre De-Facto-Nullzinspolitik trotz erster Anzeichen für eine allmähliche Erholung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft erwartungsgemäß beibehalten. Analysten schlossen aus der Entscheidung, dass die BoJ noch nicht von einem nachhaltigen Konjunkturaufschwung ausgeht.

Die japanische Notenbank bekräftigte nach ihren zweitägigen geldpolitischen Beratungen in Tokio, den Geldmarkt mit zusätzlicher Liquidität versorgen zu wollen, sofern dies nötig werde. Die BoJ hatte zuletzt wiederholt angedeutet, sie werde erst dann von ihrer lockeren Geldpolitik abrücken, wenn die seit drei Jahren währende Deflation in Japan beendet sei. Analysten erwarten daher noch keine rasche Anhebung der Leitzinsen von derzeit nahe null Prozent. Die Märkte hatten mit einer Beibehaltung der bisherigen Geldpolitik gerechnet. Die Börse in Tokio und der Yen reagierten daher kaum auf die Entscheidung.

Spielraum für konventionelle Geldpolitik der BoJ gering

Bei einem kurzfristigen Zinsniveau nahe null Prozent ist der Spielraum für die konventionelle Geldpolitik der BoJ eher gering. Für eine Zinsanhebung befindet sich die Erholung der japanischen Konjunktur nach Ansicht von Volkswirten noch in einem zu frühen Stadium. "Die Wirtschaft ist noch nicht in einer Situation, in der die BoJ handeln müsste", sagte Minako Iida von Deutsche Securities. Noch sei ein Ende des Preisrückgangs in Japan, der die reale Schuldenlast von Unternehmen und Haushalten erhöht, nicht absehbar. "Die BoJ wird daher noch eine Zeit lang ihrer lockere Geldpolitik beibehalten", sagte Iida.

"Es gibt Anzeichen einer zyklischen Erholung, aber deren Kraft ist noch gering", sagte auch Yasuhide Yajima vom NLI Research Institut. Eine straffere Geldpolitik zum jetzigen Zeitpunkt hätte nach Yajimas Ansicht ähnlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft wie Ende 2000, als die BoJ ihre damalige 18 Monate währende Nullzinspolitik beendet hatte.

Yen-Kursanstieg dämpfen

Die BoJ beließ am Mittwoch ihr im Dezember 2001 aufgestelltes Ziel für die Höhe der Mindestreserve der Banken bei der Zentralbank bei zehn bis 15 Bill. Yen (rund 84,8 bis 127,2 Mrd. Euro). Ebenfalls wie bisher werde die Notenbank monatlich Staatsanleihen für rund eine Bill. Yen zurückkaufen, teilte die BoJ weiter mit.

Die kräftigen Liquiditätszufuhren der BoJ werden Experten zufolge bald dazu beitragen, den die Exportwirtschaft belastenden Yen-Kursanstieg zu dämpfen. Das Finanzministerium, in dessen Auftrag die BoJ am Devisenmarkt interveniert, hat nach Schätzung von Händlern in den vergangenen Wochen Yen für rund 16 Mrd. Dollar (16,9 Mrd. Euro) verkauft, um die Landeswährung zum Dollar zu stabilisieren. Ein starker Yen beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit von Japans Exporteuren, da er zu einer Verteuerung japanischer Produkte im Ausland führt.

Vor allem wegen stark gestiegener Ausfuhren war die japanische Wirtschaft im ersten Vierteljahr nach der Rezession des vergangenen Jahres erstmals wieder gewachsen und zwar um real 1,4 Prozent zum Vorquartal. Die Daten untermauern die Einschätzung der Regierung, dass die Wirtschaft ihr Tief dank anziehender Exporte hinter sich gelassen hat. Doch lassen Inlandsnachfrage und Investitionen der Unternehmen nach wie vor Impulse vermissen, während Deflation und das Problem der Banken mit faulen Krediten Experten zufolge latente Gefahren für den fragilen Aufschwung bleiben. Die Verbraucherpreise waren im April in der Kernrate zum Vorjahr um 0,9 Prozent gesunken.(APA/Reuters)

Share if you care.