Roger Lemerres Ära in Frankreich vor dem Ende

12. Juni 2002, 13:44
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Frankreichs Medien betreiben nach der desaströsen Vorstellung des Titelverteidigers Ursachenforschung

Seoul/Paris - Frankreichs Nationaltrainer Roger Lemerre bleibt möglicherweise nur noch bis zum Freitag im Amt. Der französische Fußball-Verband berief nach eigenen Angaben für diesen Tag eine Sitzung des Verbandsrates ein, an der auch Lemerre teilnehmen wird.

Der 60-Jährige befand sich am Mittwoch mit der Mannschaft auf dem Rückflug Richtung Paris. Der entthronte Weltmeister war bei der Endrunde in Südkorea und Japan sensationell in der Vorrunde gescheitert. Mit nur einem Punkt und ohne Tor hatte der Mitfavorit für das schlechteste Abschneiden eines Titelverteidigers bei einer WM gesorgt.

Ursachenforschung in Frankreich

Die französischen Medien regierten entsprechend: "Frankreich K.O." (Parisien), "Autopsie eines Scheiterns" (Figaro) und "Frankreich leidet" (France Soir) - alle großen Tageszeiten machten am Mittwoch mit der Niederlage des Welt- und Europameisters auf und widmeten mehrere Seiten der Ursachenforschung. "Voller Stolz und Ehrgeiz sind sie nach Asien aufgebrochen. Sie sind tief gefallen", schrieb der "Parisien".

Das Scheitern der "Blauen" bedeute das "katastrophale Ende einer Herrschaft und die Enttäuschung, um das Mindeste zu sagen, eines ganzen Landes". Die Pariser "Liberation" kommentierte, die Spieler seien von zu vielen Spielen erschöpft gewesen. "Und wenn sie von zu viel offiziellen Ehren und zu viel leicht verdientem Geld satt sind, dann ist die Bestrafung logisch." Der "Figaro" sah die Starfußballer um Spielmacher Zinedine Zidane "geblendet und zerstreut von ihrem Erfolg". Darüber hätten sie das Wesentliche, das Spiel auf dem Platz, vergessen.

"Unwürdig und arrogant"

Besonders hart geht die Sportzeitung "L'Equipe" mit den französischen Kickern ins Gericht. Was das Team in Südkorea und Japan geboten habe, sei "unwürdig, dieser Mannschaft, ihres Talentes und der Qualität unseres Fußballs". Letztlich seien die Helden von 1998 an ihrer "Arroganz" gescheitert.(APA)

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