Umfrage: Nur 29 Prozent wollen FPÖ-Kanzler bei weiterer VP-FP-Koalition

12. Juni 2002, 19:28
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Rot-Grün holt in der Sonntagsfrage auf - Meinungsforscher erwarten Nationalratswahl im Frühjahr

Wien - Die FPÖ lässt zwar neuerdings keine Gelegenheit aus, den Kanzleranspruch für die nächste Wahl zu stellen. Einen FPÖ-Kanzler würden sich bei Fortsetzung der schwarz-blauen Koalition nach der nächsten Wahl aber nur 29 Prozent wünschen, ergab eine Umfrage des morgen, Donnerstag, erscheinenden "News". 59 Prozent wollten hingegen wieder Kanzler Wolfgang Schüssel (VP). Schwarz-Blau ist nach der Umfrage allerdings derzeit im Abwind.

Zwar liegen in der Sonntagsfrage ÖVP und FPÖ mit gemeinsam 50 Prozent immer noch "haarscharf" vor SPÖ und Grünen mit 49 Prozent. Aber die Zustimmung zur "Wende"-Regierung ist innerhalb des letzten Monats von 36 auf 33 Prozent gesunken. Diese drei Prozent wanderten, so "News", zu Rot-Schwarz. "Zumindest eine leise Nostalgie" scheint es also für die frühere Koalition zu geben. Für Rot-Grün wären nur 32 Prozent.

Wahlen im Frühjahr erwartet

Mehrere Meinungsforscher und auch SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer gehen im "News" davon aus, dass die Neuwahlen vom Herbst auf das Frühjahr 2003 vorgezogen werden. Der Wahlkampf sei längst eröffnet, wird betont. "Wenn die Konjunktur nicht stärker anzieht, wird Schwarz-Blau sicher nicht bis Herbst warten, sondern schon im Frühjahr wählen lassen", ist der Linzer Univ.Prof. Friedrich Schneider überzeugt. Die großen Regierungsvorhaben seien schon alle durch, ein thematisches Vakuum drohe, meint OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Gusenbauer verweist auf die hohe Arbeitslosigkeit und das Verfehlen des Nulldefizits: "Ehe das Fiasko am Jahresende 2003 sichtbar wird, will die Koalition wählen: im späten Frühjahr 2003. Die Lasten kommen danach."

Alles andere als berauschend sind allerdings derzeit die Umfrageergebnisse der Koalitionsparteien: Die ÖVP hält mit 27 Prozent gerade das historisch schlechteste Ergebnis vom Oktober 1999 (bei der Wahl kam sie auf 26,9 Prozent), die FPÖ ist mit 23 Prozent (1999: 26,9 Prozent) klar auf den dritten Platz zurückgefallen. Klare Gewinner wären bei Wahlen am Sonntag nach der "News"-Umfrage die Oppositionsparteien: Die SPÖ würde gegenüber 1999 um 3,9 Prozentpunkte auf 37 Prozent zulegen, die Grünen um 4,6 Prozentpunkte auf zwölf Prozent. (APA)

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