Herzstücke der Kirch-Gruppe insolvent

13. Juni 2002, 09:43
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Am Mittwoch haben die wichtigsten Teilgesellschaften des Kirch-Imperiums Insolvenzanträge gestellt

Nach der Insolvenz von KirchMedia und KirchPayTV haben nun auch die beiden zentralen Holding-Gesellschaften der Kirch-Gruppe Insolvenz angemeldet. Wie ein Sprecher des Münchener Amtsgerichts mitteilte, gingen am Mittwoch Insolvenzanträge der Dachgesellschaft TaurusHolding und ihrer Tochter KirchBeteiligung ein.

Damit sei die Zerschlagung des Medienimperiums von Firmengründer Leo Kirch endgültig besiegelt, meinten Medienexperten. Bereits am Dienstagabend sei auch ein Insolvenzantrag der Formel 1 Beteiligungs GmbH eingegangen, sagte der Gerichtssprecher weiter.

Die TaurusHolding war die Dachgesellschaft der drei Säulen der Kirch-Gruppe - der Rechtehandelsgesellschaft KirchMedia, der KirchPayTV und der KirchBeteiligung, in der zum Beispiel die Anteile Kirchs am Axel Springer Verlag und an der Formel 1 enthalten sind (siehe Grafik). KirchMedia hatte am 8. April, KirchPayTV am 8. Mai die Insolvenz beantragt.

Die deutsche Commerzbank will gemeinsam mit der Essener WAZ-Gruppe und dem US-Filmstudio Columbia TriStar große Teile des ehemaligen Kerngeschäfts der Kirch-Gruppe in eine Aktiengesellschaft überführen und damit einen späteren Börsengang der neuen KirchMedia ermöglichen. "Wir werden die Transaktion federführend begleiten. Grundvoraussetzung ist dabei die Gründung des neuen Unternehmens als Aktiengesellschaft", sagte Commerzbank-Kreditvorstand Wolfgang Hartmann.

Zunächst sollten Commerzbank und WAZ-Gruppe je 40 Prozent und die US-Studios zwanzig Prozent an der neuen KirchMedia halten, die im Kern den Film- und Sportrechtehandel sowie die 52-prozentige Beteiligung an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media umfassen werde. "Dabei sind wir offen für weitere Partner und nicht zwingend auf die WAZ-Gruppe angewiesen", sagte Hartmann. Die Commerzbank will auf mittlere Sicht ihren Anteil an der neuen Gesellschaft auf rund 25 Prozent reduzieren, betonte er.

Hohe Schulden

Das Essener Verlagshaus habe zwar ebenso wie die anderen zwei Parteien formell ihr Interesse bekundet, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Aus heutiger Sicht liegt der Wert der neuen KirchMedia Hartmann zufolge bei 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro. Den Schuldenstand inklusive der jetzt absehbaren Eventualverbindlichkeiten der insolventen KirchMedia bezifferte der Kreditvorstand des Frankfurter Instituts auf "mehr als drei Milliarden Euro". Beim Insolvenzantrag Anfang April wurde ein Schuldenstand von rund zwei Milliarden Euro angegeben. "Wir wollen jetzt zügig den Bieterprozess einleiten und im Rahmen der Due-Dilligence die Lage genau prüfen", sagte Hartmann. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des ehemaligen Kirch-Kerngeschäfts werde die Gläubigerversammlung frühestens Ende Juli treffen. "Der Commerzbank-Vorstand hat Dienstag entschieden, im Übernahmekonsortium sowohl den Eigen- als auch den Fremdkapitalanteil federführend zu strukturieren."

Die Commerzbank sei offen für weitere Partner, wolle aber möglichst nicht mehr als fünf Gesellschafter an Bord nehmen. "Wir haben schon weitere Interessenten wie etwa den Bauer Verlag oder Finanzinvestoren wie die Rewe-Gruppe oder WCM."

Angestrebt werde eine partnerschaftliche Kooperation mit klaren Entscheidungswegen und rechtlichen Bestimmungen einer Aktiengesellschaft. "Das Unternehmen muss eine Aktiengesellschaft werden, damit den Investoren der so genannte ,Exit' zu Marktpreisen ermöglicht wird und auch ein Börsegang ins Auge gefasst werden kann."

Bisher habe die WAZ-Gruppe eher die Rechtsform einer GmbH favorisiert. KirchMedia hatte als erste Gesellschaft des Medienimperiums von Leo Kirch am 8. April einen Insolvenzantrag gestellt. Eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens erwartet Hartmann für die nächste Woche. (APA, Reuters/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.6.2002)

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