"Großes Potenzial für Unternehmensanleihen"

12. Juni 2002, 16:31
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Bank Austria lanciert heuer noch bis zu fünf Corporate Bonds

Wien - Die Bank Austria Creditanstalt (BA/CA) ortet in Österreich einen enormen Nachholbedarf, was den Einsatz von Unternehmensanleihen betrifft. Heuer dürften noch drei bis fünf so genannte Corporate Bonds platziert werden. Das durchschnittliche Volumen eine Emission werde 100 Mill. Euro betragen und sei typisch für ein nicht geratetes Unternehmen, so der Leiter der BA/CA-Anleiheabteilung Gottfried Ransmayr am Dienstag Abend vor Journalisten in Wien.

Größere Volumina von 300 bis 500 Mill. Euro müssten jedoch international platziert werden. Nach gut 600 Mill. Euro im Vorjahr betrage des Volumen der heimischen Unternehmensanleihen an der Wiener Börse im Jahr 2002 bereits knapp 1 Mrd. Euro.

International platzieren

Als einzige Bank in Österreich sei die BA/CA-Gruppe in der Lage, Anleihen international zu platzieren, sagte Bank Austria-Vorstand Willi Hemetsberger. Über die HVB-Gruppe verfüge man über ein Team von weltweit 130 Salesleuten für Zinsprodukte. Bonds österreichischer Unternehmen könnten an alle großen internationalen Fonds verkauft werden. Ein Beispiel sei die 150 Mill. Euro-Anleihe des Kärntner Energieversorgers Kelag.

"Unternehmensanleihen füllen die Lücke zwischen Aktien- und Staatsanleiherenditen", führte Hemetsberger aus. Für die Anleger bieten sie attraktive Zinsen. Die Renditen seien höher als bei Staatsanleihen, das Risiko trotzdem gemäßigt. Bei dieser Form der Unternehmensfinanzierung seien die Banken nur mehr als Vermittler zwischen Unternehmen und Anleger tätig. Statt Zinseinkünfte würden sich Provisionseinkünfte ergeben. Gleichzeitig komme es zu einem Risikotransfer.

Richtlinien für Kreditvergabe verschärft

Zum Wachstum des Unternehmensanleihenmarktes tragen für den Bank Austria-Vorstand auch die verschärften Richtlinien für die Kreditvergabe im Rahmen von Basel II bei, was die Banken zu schärferem und risikoadäquaterem "Pricing" der Kredite treibe. "Kredit- und Anleihekonditionen werden sich annähern", so Hemetsberger. Das sei gar keine schlechte Entwicklung. Basel II werde in den nächsten zwei bis drei Jahren eine wichtige Stütze für das Bankwesen werden.

Der heimische Anleihenmarkt werde klar von den Staatsanleihen dominiert. Nur 4 Prozent des in Österreich Umlauf befindlichen Anleihevolumens von 93,9 Mrd. US-Dollar (99,3 Mrd. Euro) entfalle auf Unternehmensanleihen. Der Anteil der Corporate Bonds am BIP mache gerade 1,7 Prozent aus. Ähnlich klein sei der Anteil auch in Deutschland, Italien oder Frankreich, wo in der Vergangenheit die Unternehmensfinanzierung ebenfalls vorwiegend über Bankkredite erfolgt sei. Großbritannien könne dagegen auf einen Anteil von 22,5 Prozent verweisen. (APA)

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