Ökologisch sinnvoll investieren

12. Juni 2002, 12:55
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Andreas Knörzer von Bank Sarasin im Interview: „Nachhaltigkeit allein ist nicht die Lizenz zum Geld drucken“

e-fundresearch: Andreas Knörzer, Sie sind Leiter des Sustainable Investment Bereiches der Bank Sarasin. Meine ersten beiden Fragen betreffen den Sarasin ValueSar Fonds: Ist der allgemein definierte Nachhaltigkeitsansatz überhaupt ausreichend für ein ökologisch orientiertes Produkt bzw. existieren Mindeststandards für Unternehmen, bevor Sie in diese investieren?

Andreas Knörzer: Ja sicher. Der ValueSar ist ein Ökologie Plus Produkt, weil die ökologische Beurteilung in unserem Nachhaltigkeitsprodukten so gut gemacht wird wie in reinen Ökologiefonds. Wir können ja auch in reine Ökowerte investieren, aber zusätzlich zu der Umweltbewertung decken wir noch soziale Aspekte ab.

Mindeststandards gibt es insofern, als wir folgende Aussage treffen: Je ökologisch riskanter eine Branche ist, desto höher sind die Anforderungen an das einzelne Investment. Diese Beurteilung nimmt also Rücksicht auf die einzelnen Risiken die eine Branche hat.

e-fundresearch: Welche ökologischen Kriterien werden bei der Investition, etwa in Chemieunternehmen, berücksichtigt?

Andreas Knörzer: Bei der Chemiebranche ist der Materialeinsatz sehr wichtig. Zusätzlich beinhaltet der Produktionsprozess gewisse Risiken – da denke ich nur an Unfälle in Deutschland oder bei uns in Basel die Katastrophe bei Schweizerhalle. Lagerung und Logistik ist also sicher auch ein wesentliches Thema bei Chemieunternehmen. Zusammenfassend betrachten wir also den Materialeinsatz und die Qualität des Produktionsprozesses.

HYPO Global Valor wird zum Global Value

e-fundresearch: Sarasin verwaltet ja seit kurzem den HYPO Global Value Fonds. Könnten Sie auf dieses Produkt bitte näher eingehen, also etwa Volumen, Zielvolumen, Investmentprozess, Branchenallokation und was ist Ihr Ausblick?

Andreas Knörzer: Wie Sie richtig sagen ist das ein bestehender Fonds (Anm.: HYPO Global Valor) mit einem aktuellen Volumen von Euro 25 Mio. Geplant ist eine Verdoppelung des Volumens im nächsten Jahr. Der Fonds wird auf Basis des Sarasin ValueSar verwaltet, d.h. er ist ein weltweit veranlagender Aktienfonds mit einem gewissen Schwerpunkt in Europa. Die Mischung ist zwei Drittel Blue Chips und ein Drittel mittel- und kleinere Werte, um auch Wachstumsbranchen berücksichtigen zu können. Der Fonds legt von der Branchenallokation her sehr breit an, momentan sind wir gut in zyklischen Werten positioniert. Hier glauben wir an konjunkturelle Fortschritte in den nächsten 1-2 Jahren. Ansonst haben wir aber keine markanten industriespezifischen Wetten.

e-fundresearch: Auf Einzeltitelebene gilt bei Ihnen eine 5% Umsatzgrenze. Können Sie darauf näher eingehen?

Andreas Knörzer: Der Fonds hat gewisse Ausschlusskriterien, also Branchen die nicht also Investment vorgesehen sind. Hier gehört etwa Kernenergie, Rüstungen, Tabak oder Gentechnik im Agrogeschäft dazu. Erwirtschaftet ein Unternehmen mehr als 5% seines Umsatzes in diesem Bereich, fällt es aus dem Investitionsraster heraus.

Kostet negatives Screening Performance?

e-fundresearch: Oft wird behauptet, dass gerade solche Ausschlusskriterien Rendite kosten. Mit Philip Morris (Tabak) oder der Rüstungsindustrie hätte man ja im letzten Jahr sehr gutes Geld verdient. Was denken Sie darüber?

Andreas Knörzer: Es gibt klar Phasen wo das Performance kosten kann. Dann existieren aber auch wieder Phasen, wo das Performance bringt. Philip Morris ist da ein gutes Beispiel: In den letzen 12 Monaten hat man da sicherlich eine Outperformance erzielt. In den Jahren davor war das aber ganz anders. Zusätzlich besteht dann noch das große Risiko der Haftung, das übrigens immer noch nicht ausgestanden ist. Dieser Bereich war also berechtigterweise ausgeschlossen. Und die Rüstungsbranche ist ja auch erst seit dem 11. September wieder gesuchter. Langfristig ist dieser Effekt also neutral und jeder guter Portfoliomanager findet in den Branchen, in denen er investieren darf, Werte die sogar noch besser performen als eben eine Philip Morris.

„Nachhaltigkeit allein ist nicht die Lizenz zum Gelddrucken“

e-fundresearch: Was bringt „Nachhaltigkeit“ dem Investor eigentlich an Performance?

Andreas Knörzer: Nachhaltigkeit allein ist nicht die Lizenz zum Gelddrucken. In Studien haben wir festgestellt, dass Nachhaltigkeit gewissen Branchen Performance bringt. Speziell der Umweltbereich weißt diesen Effekt auf. Innerhalb einer Branche bringt es aber weniger, kostet aber zumindest keine Performance. Zusammenfassend kann man also sagen: ein leicht positiver Effekt auf die Performance. Weiterhin sind aber gute Portfoliomanager gefragt, die daraus das beste machen können.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

Andreas Knörzer ist Leiter des Sustainable Investment Bereiches der Bank Sarasin und u.a. verantwortlich für den Sarasin ValueSar Equity Fund und den Ökovision. Anlässlich der Umstrukturierung des bestehenden HYPO Global Valor in den nachhaltigen HYPO Global Value, sprach er mit e-fundresearch z.B. über die Auswirkungen von Ausschusskriterien und Nachhaltigkeit auf die Performance.
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