"Innovativer, utopischer Mozart" in Aussicht

12. Juni 2002, 13:52
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US-Regisseur Peter Sellars koordiniert Spezialprogramm, Theater an der Wien wird zum "Mozarthaus 2006"

Wien - Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) gab am Mittwoch in einer Pressekonferenz Näheres zu "Mozart-Special", der Spezialschiene zum Mozartjahr 2006, bekannt.

Der amerikanische Theatermacher Peter Sellars wird die Reihe, in der neben Kompositionen auch Architektur- und Filmaufträge vergeben und das Hauptaugenmerk auf den "innovativen, utopischen späten Mozart" geworfen werden soll, koordinieren. Für die Programmierung des Theaters an der Wien, das zum "Mozarthaus 2006" werden wird, ist Hans Landesmann verantwortlich, die Gesamtkoordination übernimmt Franz A. Patay Mit der "nächsten 'Zauberflöte', dem nächsten 'Requiem', der nächsten Hochzeit des Figaro" (Peter Sellars) will Wien 2006 aufwarten. Dazu vergibt die Stadt das größte Kompositionsauftragsprogramm in ihrer Geschichte.

"Schreiben von Tanzmusik"

Mozart stand "sein ganzes Leben für das Neue und einen Hunger nach Diskussion und Dialog", erläuterte Sellars sein Mozartbild, das er schon in einigen gleichermaßen gefeierten wie umstrittenen Inszenierungen auf die Bühne gebracht hat. Keine Angst hat Sellars davor, dem Wiener Publikum mit der Betonung der utopischen Aspekte Mozarts zu innovativ zu werden: Es sei ein "Klischee", dass Wien ein konservatives Publikum habe. Mit einem Schmunzeln ergänzte Sellars: "Wir brauchen ein Festival mit sehr cooler Tanzmusik". Denn der "einzige Job, den Mozart in Wien bekommen konnte, war das Schreiben von Tanzmusik".

Mozart ist für Sellars der "größte Künstler der Vergebung": "200 Jahre dachte man, 'La clemenza di Tito' sei nicht dramatisch und daher unspielbar. Dann kam Nelson Mandela und sagte, bringt mir die Leute, die mich töten wollten, und formte mit ihnen eine Regierung. Mozart hatte diese Vision 200 Jahre früher". Daran sei ersichtlich: "Um Mozart zu verstehen, müssen wir in die Zukunft schauen" und fragen, wie diese "Vergebung" auch an anderen Orten permanenter Konflikte möglich sein könnte.

Viele der kulturellen Veranstaltungen des "Mozart-Specials" werden auf den Spuren Mozarts außerhalb des Wiener Stadtzentrums an "sehr überraschenden Orten" in den Wiener Vorstädten und im Osten der Stadt angesiedelt sein, schilderte Sellars. Internationale Partner wie das New Yorker Lincoln Center sollen den innovativen Charakter der Spezialschiene verstärken, die Projekte sollen "Echos in die ganze Welt" - Sellars nannte Peking, Dakar, Pakistan, Russland, Lateinamerika - werfen. Das "Mozart-Special" soll "kein Endpunkt, sondern ein Anfang" sein.

Innovative Breite

Ein "möglichst breiter, ernsthafter, würdiger, aber auch innovativer Zugang" zu Mozart soll anlässlich seines 250. Geburtstags mit einem umfangreichen Programm gefunden werden, so der Kulturstadtrat. Das Programm soll eine "nachhaltige Wirkung auf die Mozart-Sicht" ausüben und sich daher "nicht zu sehr in Einzel-Events" verlieren. In seinen Aufgabenbereich ("eine Art Generalsekretariat", so Mailath-Pokorny) wird auch die Information der Besucher sowie die Koordination der Zusammenarbeit mit Salzburg, die bis in den touristischen Bereich spielen wird, und den weiteren nationalen und internationalen Partnern fallen.

Kein "Schrebergarten"

Patay, Generalsekretär des Internationalen Musikzentrums Wien und seit drei Jahren an der Organisation des Rathausplatz-Filmfestivals beteiligt, soll den Veranstaltungen ein Label und ein einheitliches Gesamtbild geben, damit die einzelnen Wiener Kulturinstitutionen keine "Schrebergarten-Mentalität-Spielchen" spielen, so Patay.

Landesmann ist für das Programm im Theater an der Wien in "sehr konkreten Gesprächen" mit Staatsoperndirektor Ioan Holender und mit Nikolaus Harnoncourt. "Eine wichtige Rolle" werden "natürlich" die Wiener Festwochen und der Klangbogen spielen, so Landesmann. Bisher geplant ist eine Staatsopern-Aufführungsserie mit sechs Vorstellungen von "Idomeneo" unter Seiji Ozawa, die direkt am 250. Geburtstag Mozarts (27. 1. 2006) beginnen und im Juni wieder aufgenommen werden soll. Im Herbst 2006 soll ein Gluck-Zyklus folgen, der von Peter Konwitschny inszeniert wird.

"Auf jeden Fall ein Sonderbudget"

Ein genaueres Programm auch der weiteren Veranstaltungsorte sowie die erforderlichen Budgetmittel, von denen der Kulturstadtrat am Mittwoch nur sagen wollte, dass "auf jeden Fall ein Sonderbudget" benötigt werden wird, soll im Oktober bekannt gegen werden. (APA)

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