Bei deutscher MobilCom ist Totalverlust nicht auszuschließen

12. Juni 2002, 16:25
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Aktionärsschützer raten Kleinaktionären zu Verkauf der Aktien - Aufsichtsbehörde prüft Kursverlauf

Den Verkauf der Aktien der MobilCom AG, Büdelsdorf, empfiehlt die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Da das Unternehmen alleine nicht überleben könne, sei ein Totalverlust der Aktionäre nicht mehr auszuschließen, sagte Sprecher Markus Straub am Mittwoch im Gespräch mit vwd. Ein anderer Partner, der anstelle der France Telecom SA, Paris, einsteige, sei nicht in Sicht, zumal da nicht nur hohe Schulden zu übernehmen seien, sondern auch Zweifel an dem Erfolg des UMTS-Geschäftes bestünden.

Aktie legte zu

Die Aktie des angeschlagenen Mobilfunk-Anbieters MobilCom hat nach Wiederaufnahme in den Handel am Mittwochfrüh einen geringen Teil der schweren Kursverluste des Vortages wettgemacht. Das Papier legte in der ersten Handelsstunde um knapp elf Prozent auf 8,09 Euro zu. Am Dienstag hatte sich der Kurs nahezu halbiert und war auf 7,29 Euro gefallen, nachdem Großaktionär France Telecom die Zusammenarbeit mit MobilCom beim Zukunftsstandard UMTS für beendet erklärt hatte. Das am Neuen Markt notierte Papier war daraufhin am Dienstag vom Handel ausgesetzt worden.

Aufsichtsbehörde prüft Kursverlauf

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAFin) hat wegen des Kursverlaufs der MobilCom-Aktie Voruntersuchungen eingeleitet. Der Kursverlauf gebe Anlass, sich den Fall anzusehen, sagte ein Sprecher der Wertpapieraufsicht des BAFin am Mittwoch in Frankfurt. Dabei handle es sich noch nicht um eine formelle Untersuchung. Diese würde erst dann eingeleitet, wenn konkrete Anhaltspunkte für Insiderhandel vorlägen. Die Wertpapieraufsicht überprüfe, wann France Telecom die Nachricht über das Ende der Zusammenarbeit mit MobilCom am gestrigen Dienstag veröffentlicht habe und es ob im Vorfeld zu auffälligen Transaktionen an der Börse gekommen sei.

Gesprächsgrundlage zwischen den Partner scheint nicht mehr vorhanden

Für den SdK-Sprecher ist es den Angaben zufolge nachvollziehbar, dass France Telecom am Dienstag "die Reißleine gezogen hat" angesichts der bereits geflossenen Investitionen in das deutsche Unternehmen. Eine Gesprächsgrundlage zwischen den Partnern scheint nicht mehr vorhanden, eine Einigung nicht mehr möglich. Nun handle es sich nur noch um "Zockerei", wer insgesamt mehr zu verlieren habe, sagte der Sprecher. Dabei scheine France Telecom zu glauben, die besseren Karten in der Hand zu haben. Den größten Verlust indes hätten die Kleinaktionäre, denn Spekulationen darüber, ob der französische Konzern ihnen ein Übernahmeangebot mache, seien inzwischen ganz in der Hintergrund gerückt.

Der SdK-Sprecher glaubt nicht, dass France Telecom am Dienstag im Vorfeld ihrer Ankündigung MobilCom-Aktien in den Markt gegeben hat. Dazu sei sie zu nah im Bereich von Insidergeschäften, sagte Straub. Er hält es vielmehr für denkbar, dass sich die beteiligten Fonds nun verabschiedet hätten.

Wer trägt die Kosten?

Die Schutzgemeinschaft stellt zudem die Frage, wer alle die Kosten für Rechtsanwälte, Berater etc für den MobilCom-Vorstand übernimmt. Das Unternehmen oder der Vorstand selbst? Seit der Hauptversammlung sei klar, dass dem Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid und seinen Tätigkeiten nicht mehr vertraut werde. Jedem müsse zudem klar sein, dass es bei Schmid nur um seine eigenen Interessen und die seiner Frau gehe und nicht um die Bedürfnisse der Kleinaktionäre.(APA/vwd/dpa/Reuters)

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