Euro über 0,95 Dollar gestiegen

12. Juni 2002, 16:28
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Höchster Stand seit 18 Monaten - Weiterer Höhenflug erwartet

London - Der Euro ist am Mittwoch über die magische Grenze von 0,95 US-Dollar gestiegen. Am wichtigsten europäischen Devisenmarkt in London wurde die Gemeinschaftswährung vorübergehend mit 0,9503 Dollar gehandelt. Dies war der höchste Stand seit Jänner 2001. Händler machten dafür die schlechten Börsennachrichten aus den USA sowie die Angst vor neuen Terroranschlägen verantwortlich. Sie rechneten damit, dass die europäische Gemeinschaftswährung langfristig gleich stark wie der Dollar sein kann. Von der deutschen Wirtschaft wird der Höhenflug des Euro mit Sorge gesehen.

Nach erneut schlechten Nachrichten von den Aktienmärkten in den USA gibt es nach Ansicht von Commerzbank-Analyst Kamal Sharma "Zweifel, ob die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr wirklich so zulegen wird wie bisher erwartet". Dies ziehe den Dollar nach unten. Hinzu komme die Angst vor neuen Terroranschlägen. "Die USA haben das Image als sicherer Hafen verloren", sagte ein weiterer Händler. Die Einstellung zum Dollar und zum Euro habe sich geändert. Auch Sharma rechnet mit einem weiteren Höhenflug des Euro. "Das kann sich bis zum Gleichstand mit dem Dollar annähern." Allerdings sei die so genannte Parität dann die Grenze: "Wir glauben nicht, dass der Euro mehr wert sein wird als der Dollar."

Von Einstiegskurs weit entfernt

Von ihrem Einstiegskurs von 1,17 Dollar am 1. Jänner 1999 ist die Gemeinschaftswährung noch weit entfernt. Den absoluten Tiefpunkt erreichte sie im Oktober 2000. Damals mussten nur noch 0,8230 Dollar für einen Euro gezahlt werden. Am Mittwochnachmittag schwankte der Kurs in London um die 0,95 Dollar, die Europäische Zentralbank legte einen offiziellen Wechselkurs von 0,9452 fest.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sagte mit Blick auf die Entwicklung: "Rein ökonomisch ist ein Kurs von 0,95 Dollar überhaupt nicht bedrohlich." Angesichts der schlechten Konjunkturlage wäre ein schwacher Euro aber besser, weil dann deutsche Exporte im Ausland billiger und mehr gefragt wären. "Wir sind auf einen unterbewerteten Euro angewiesen", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.(APA)

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