WM Menü?

17. Juni 2002, 21:39
posten

Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum die heimischen Wirte im Gegensatz zu den emsigen Fleischlaberlbratern kein WM-Menü zustande bringen und sich nur mit dem Aufstellen von Großbild-TVs begnügen?

Keine Rede von interessanten Kreationen, obwohl ja einige Anknüpfungspunkte gegeben wären: Viele verschiedene Nationen und deren Spezialitäten, biologisch antrainierte Muskelkraft - also Fleisch - spielen auf saftig grünem Rasen (Beilage), der hin und wieder mit Schweiß (die Würze des Lebens..) besprenkelt wird...

Nein, das ist kein Aufruf zum Kannibalismus obwohl man doch einige Spieler „zum Fressen gern“ hat, und man sich manchmal aufspringend einen Haxen ausreißt vor Freude über ein Supergoal. Leider klingt oben Gesagtes nicht nur nach Fleischeslust, sondern auch nach Gründonnerstagsmenü, - Sie wissen schon , Fastenzeit, das heißt: verlorenes Ei auf Spinat mit Rösti. Auch das kann Fußball sein, nämlich gähnend langweilig, und das nicht nur zur morgendlichen Sendezeit. Soweit also zum Dilemma der Wirte, sofern diese nicht auf die sogenannten Nationalspeisen setzen und diese unter das bunte Fußballvolk bringen wollen.

Die WM hat eben in der Öffentlichkeit esstechnisch ihre Tücken. Kein auch noch so opulentes Mittagsmenü schafft es bis in die 2. Halbzeit. Und der Kampf mit Messer und Gabel ist sowieso ein hoffnungsloser, will man bei einem spannenden Match mit den Augen am Ball, und nicht am Teller bleiben. Folgerichtig kehrt man eine Bierkiste schleppend nach Hause mit der gesicherten Erkenntnis, dass es das ultimative WM-Menü einfach nicht gibt und bereitet sich auf das Kommen der Fußballbegeisterten vor.

Es gilt nur zwei Gebote für einen gelungenen Fernsehnachmittag zu erfüllen: Ausreichend kühles Bier und ein sich unter der Speisenlast biegender Couchtisch. Jetzt kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen und der Freundesmeute das eine oder andere Experiment hinsichtlich Fingerfood unterjubeln. Wie wäre es zum Beispiel einigen Nationalitäten Tribut zu zollen? Etwa mit stückelig frittierten Kochbananen (Plantans), selbstgebastelten Chicken Nuggets in Sesamkruste, schön aufgetürmten Makibergen, Pizzaschnitten, Teufelsroller, Takos, selbstredend müssen Saucen zum Tunken sein (Erdnusssauce, Aioli, Tsatsiki, Ketchup, Majo sowieso). Wem das Alles nach zu viel Arbeit und Magenverstimmung aussieht , der kann getrost auf das Finale warten und, ich wage es kaum zu unken, mit Deutschland Bockwurst essen.

Von Stefan Katschthaler
Share if you care.