Abfangjäger-Entscheidung in der Zielgeraden

12. Juni 2002, 15:00
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Soll möglicherweise nächste Woche im Ministerrat fallen - Anbieter intensivieren Lobbying

Wien - Die Entscheidung in der Abfangjäger-Nachfolge dürfte in den kommenden Tagen fallen. Als möglich gilt, dass Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) in der kommenden Woche den Ministerrat darüber informieren wird. Scheibner will offenbar die anstehende Entscheidung des US-Kongresses über die Exportgenehmigung von gebrauchten, beim österreichischen Bundesheer ausgemusterten Panzern nach Ägypten abwarten. Zwischen den beiden Entscheidungen soll kein Zusammenhang hergestellt werden können.

Das technisch beste Angebot dürfte der europäische Rüstungskonzern EADS mit dem Eurofighter gelegt haben, freilich zu einem Preis, der um bis zu 300 Millionen Euro über dem des schwedisch-britischen "Gripen" liegen dürfte. Zudem meinen Kritiker und Lobbyisten für die anderen Jets, der Eurofighter könne als neues Produkt, dessen Auslieferung erst heuer startet, technisch noch Probleme haben. Dem US-Konzern Lockheed Martin wiederum wird nachgesagt, mit seiner "F-16" nicht alle technischen Kriterien der Ausschreibung zu erfüllen. Die besten Chancen werden daher dem Eurofighter und dem Gripen gegeben.

Das US-Unternehmen, das im Kampf um das Rüstungsgeschäft auf massive Unterstützung von US-Botschafter W. Lyons Brown setzen kann, betont freilich stets, die angebotenen Lösungen erfüllen die österreichischen Ansprüche und seien hochmodern. Auch wurde stets bestritten, dass die Genehmigung für den Panzerexport von der österreichischen Abfangjäger-Entscheidung abhängig gemacht werde.

Die US-Seite hat aber auch ein Angebot für generalüberholte, mit dem so genannten "Midlife-Update" (MLU) ausgerüstete Maschinen gelegt. Diese bieten zum halben Preis 95 Prozent der Leistungsfähigkeit neuer Maschinen, so die Vertreter des Rüstungskonzerns. Es wird nicht ausgeschlossen, dass dieses Angebot trotz der bisherigen Skepsis in Heereskreisen aus finanziellen Gründen doch noch zum Zug kommt.

Die militärische Bewertung der Angebote dürfte jedenfalls weitgehend abgeschlossen sein. Nun werden verschiedenste Finanzierungsvarianten durchgerechnet. Aus diesem Grund kann auch nur schwer ein Preis angegeben werden. Der Gripen dürfte den ursprünglich vorgesehenen Finanzrahmen von 1,82 Milliarden Euro aber treffen. Am billigsten wird offenbar die F-16 angeboten, wobei eben technische Bedenken angemeldet werden.

Die angebotenen Gegengeschäfte sollen dann entscheiden, wenn zwei oder alle drei Jets aus der militärischen Bewertung inklusive Beurteilung des Preis-Leistungs-Verhältnisses in etwa gleichwertig hervor gehen. Die angebotenen Kompensationsgeschäfte werden von einer Bewertungsplattform im Wirtschaftsministerium unter Einbindung der Sozialpartner sowie des Finanz- und des Verteidigungsministeriums geprüft. Erwartet wurde ein Kompensationsvolumen von 200 Prozent des Kaufpreises. Die europäischen Konzerne betonen, dem auch nachgekommen zu sein. Lockheed Martin will dieses Volumen nicht garantieren, spricht allerdings von Erwartungen in der entsprechenden Größenordnung.

Bei der Bewertungsplattform dürfte der Eurofighter am besten abgeschnitten haben, auch wenn es seitens der Industriellenvereinigung Präferenzen für den Gripen gegeben haben soll.

Die Anbieter lassen unterdessen mit der Werbung für ihre Maschinen nicht locker. Die Schwerpunkte werden dabei durchaus unterschiedlich gelegt. Lockheed Martin, US-Rüstungskonzern mit der "F-16", betonte zuletzt, man könne österreichischen Unternehmen Zugang zu den hoch entwickeltsten Flugzeugprogrammen der Welt bieten. Auch die Arbeitsplätze am Fliegerhorst Zeltweg wären gesichert. Der europäische EADS-Konzern, Anbieter des "Eurofighter", stellte die Einrichtung eines Business Development Fonds in Aussicht. Für den schwedisch-britischen Gripen wiederum wurde der Liefertermin ins Treffen geführt. (APA)

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