Giordano: "Möllemann der gefährlichste aller Schmierenkomödianten"

12. Juni 2002, 11:03
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Schriftsteller über den Vize-FDP-Vorsitzenden: "Skrupellos und großer Täuscher"

Hamburg/Wien - Der Schriftsteller Ralph Giordano hat in einem Beitrag für die Hamburger Illustrierte "stern" den stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Jürgen Möllemann scharf angegriffen. "Für mich ist Möllemann der gefährlichste von allen Schmierenkomödianten in den vergangenen 57 Jahren", schreibt Giordano laut Vorausmeldung in der neuesten Ausgabe der Illustrierten. Der FDP-Vize sei "skrupellos und ein großer Täuscher: kein ehrliches Wort, was von ihm kommt". An Möllemann zeige sich, "dass sich das Klima verändert hat", schreibt Giordano, der 1923 als Sohn eines sizilianischen Vaters und einer deutsch-jüdischen Mutter in Hamburg geboren wurde.

Aus unzähligen Briefen und aus Todesdrohungen wisse er, "dass es einen Bodensatz von Antisemiten gibt". Was Möllemann mit seinen Äußerungen über Michel Friedman, den Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden, und die Nahost-Politik hochrühre, "das provoziert und mobilisiert meinen Fluchtinstinkt". Auf die Frage "Müssen wir die Koffer wieder packen?" könne er zunächst gar nicht antworten, "weil es mir die Sprache verschlägt. Und dann brülle ich: Nein, nein, nein!"

"Wenn Möllemann mit Westerwelles (FDP-Chef Guido W., Anm.) Schützenhilfe bleibt", so Giordano im "stern", "verändert sich das Gesicht der Republik. Da höhlt sich etwas aus."

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt, Vorgänger Westerwelles als Parteichef, hat die Position seiner Partei in der politischen Mitte bekräftigt. "Es bleibt beim Kurs der FDP", sagte Gerhardt am Mittwoch im SWR. Sie werde an ihrer Tradition festhalten, "die eine Kampfansage an rechte und linke Ränder ist". Die jüngste Antisemitismus-Debatte habe der Partei nicht gut getan, räumte er ein. Rücktrittsforderungen an den stellvertretenden Parteivorsitzenden Möllemann seien aber eine "personelle Angelegenheit" der FDP. Dies müsse auch der Zentralrat der Juden einsehen. (APA)

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