Temelín nach neuem Störfall abgeschaltet

12. Juni 2002, 18:55
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Turbine im ersten Reaktorblock kurz unterbrochen - neues Leck aufgetreten

Temelín - Im ersten Reaktorblock des südböhmischen Atomkraftwerks Temelín kam es am Dienstagabend - einen Tag nach Beginn des offiziellen Probebetriebes - zu einem neuerlichen Störfall. Wie Temelín-Sprecher Milan Nebesar am Mittwoch mitteilte, sei die Turbine wegen einer Fehlfunktion im Schutzsystem der Stromverteilungsanlage abgeschaltet worden. Nach einer Analyse sei ein Teil des Schutzsystems ausgetauscht und der Reaktor erneut hochgefahren worden.

Bei der Steigerung der Reaktorleistung ist laut Nebesar allerdings auch eine undichte Stelle im Turbinenteil des Blocks aufgetreten, sodass der Reaktor wieder auf etwa drei Prozent heruntergefahren werden musste. Zurzeit werde das Leck identifiziert, danach werde es saniert und der Block wieder hochgefahren, erklärte Nebesar. Im zweiten Block des Kraftwerkes werden die physikalischen Tests fortgesetzt. Die Reaktorleistung liegt dort unter zwei Prozent.

In Österreich kam infolge dieser Probleme erneut heftige Kritik an der Bundesregierung auf. Die Grünen-Umweltsprecherin Eva Glawischnig forderte eine bessere Vorbereitung auf Ausstiegsverhandlungen nach den tschechischen Wahlen. Auch die oberösterreichische Plattform gegen Atomgefahren warf der Regierung Untätigkeit vor.

Die Probleme vom Dienstag fielen mit der Veröffentlichung einer neuen Mängelliste durch österreichische und tschechische Temelín-Kritiker zusammen. Wie DER STANDARD berichtete, soll ein Unternehmen noch vor Beendigung aller Tests von der Kraftwerksbaustelle abgezogen worden sein - die Tests seien daher nicht sachgemäß durchgeführt, argumentieren die Gegner. (DER STANDARD, Printausgabe 13.06.2002)

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