Maulkorb für warnenden Primar

14. Juni 2002, 19:48
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Villacher Skandalgynäkologe bleibt in Haft

Klagenfurt - Der Skandal um den Villacher Gynäkologen, der jahrelang Krebsabstriche seiner Patientinnen in der Schublade verschwinden ließ, hat nun eine heftige Diskussion um die Kärntner Krebsvorsorge ausgelöst. Dem Primar der Pathologie des Landeskrankenhauses Klagenfurt, Hanspeter Dinges, der jahrelang vor Missständen bei den zytologischen Untersuchungen an Krebsabstrichen gewarnt hatte, wurde vom LKH-Direktorium am Freitag Redeverbot erteilt.

Der Klagenfurter Pathologe hatte darauf hingewiesen, dass er schon vor zwei Jahren ein Memorandum an sämtliche Gesundheitspolitiker, LKH-Management, Gebietskrankenkasse sowie Ärztekammer gesandt und diese auf unhaltbare Zustände aufmerksam gemacht habe. So müssten etwa viele Abstriche österreichweit verschickt werden, weil sie in Kärnten aus Kostengründen und Personalnot in den Labors abgelehnt würden. "Leider umsonst", resümiert der Mediziner heute angesichts des Villacher Gynäkologenskandals. Nur die Ärztekammer veröffentlichte das Memorandum in ihrer Zeitung.

LKH-Direktor Anton Suntinger meinte, vom STANDARD auf das Redeverbot angesprochen: "Er darf sich in Fachfragen durchaus äußern, aber nicht zur Gesundheitspolitik." Angesichts des Skandals würden eben manche versuchen, jetzt mehr Geld für ihre Institute herauszuschlagen. Im Übrigen teilt Suntinger die Befürchtungen seines Pathologen nicht: "Die Qualität und zeitgerechte Befundung von Krebsabstrichen ist in Kärnten gegeben."

Ärztekammerpräsident Othmar Haas hingegen: "Wir teilen die Bedenken, aber die Gesundheitspolitik und die Krankenkassen haben nie reagiert."

Kärntens SP-Frauenvorsitzende, Melitta Trunk, will sich nun dafür einsetzen, dass die "eklatante Unterversorgung" im Bereich Zytodiagnostik und Pathologie möglichst rasch behoben wird. "Es kann doch nicht sein, dass sich Frauenärzte darum "raufen müssen", dass ihre Abstriche überhaupt angenommen und befundet werden: "Das Kostenargument der Kassen lasse ich da nicht gelten."

Und das sei auch eine Frage der Gesundheitspolitik. "Frauen sollen zu Vorsorgeuntersuchungen - und andereseits herrscht dann das Diktat der leeren Kassen."

Deshalb will Trunk auch den Dinges-Vorschlag nach einem professionell geführten Zentrallabor unterstützen.

Das Gericht verlängerte die U-Haft des Villacher Skandalgynäkologen um ein weiteres Monat. Eine seiner Patientinnen, die schwer an Krebs erkrankte, will nun gegen ihn aussagen. (stein/DER STANDARD, Printausgabe 15./16.2002)

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