Rummelplatz in Wien - Von RAU

11. Juni 2002, 20:48
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Eine kurze Inspektion des Wiener Innenstadtkomplexes Stock-im-Eisen-Platz/ Stephansplatz an einem Frühsommer-Samstag zeigt folgende Belegung: ein Standl-Konglomerat der Tierschützer mit Audio-, Video- und Plakatdarstellung diverser Grausamkeiten gegen Tiere. Plakattext: "Wenn Sie wüssten, wie es in den Schlachtereien zugeht, würden Sie kein Fleisch mehr essen". Daneben ein Standl "Bodenständige Spezialitäten". In der Mitte des Stock-im-Eisen-Platzes der bereits im Dienst ergraute Puppenspieler mit dem scheppernden Kassettenrekorder: "Für Elise" und "Nessun dorma". Alle Viertelstunden. Seine schärfste akustische Konkurrenz ist der Eisverkäufer mit seinem Wagerl und seinem Radio. Beide werden in den letzten Wochen aber bedrängt von a) den palästinensischen Demonstranten, die auch gut hörbar gegen den "israelischen Massenmord" protestieren und b) von einer asiatischen Garküche, die fröhlich mit dem Wok brutzelt. Dazu die Soundstage, die jeden zweiten Samstag für irgendein anderes Event vor sich hin dröhnt. Afghanische Einton-Trommler, koreanische Paukenschläger und die obligaten Andenfudler liefern den basso continuo zu diesem weltstädtischen Treiben. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2002)
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