Mit dem Segel zu den Sternen

11. Juni 2002, 19:29
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Die Nasa erforscht neue Antriebstechnologien für Raumschiffe

New York - Für das Jahr 2003 will die Bush-Regierung der Nasa trotz leerer Kasse 125,5 Millionen Dollar zur Entwicklung nuklearer Antriebstechnologien zur Verfügung stellen. Edward Weiler, Chef von Nasas Weltraumforschung, verglich die konventionellen chemischen Raketen mit "der Eroberung des Westens in Planwagen". Jetzt sei eine neue Ära angebrochen.

Die Entwicklung der Atomreaktoren lag aufgrund des öffentlichen Widerstandes gegen Kernenergie fast ein Jahrzehnt brach. Das Prinzip ist simpel: Ein kleiner Reaktor mit festem Kern erhitzt flüssigen Wasserstoff auf über 2500 Grad, bis er mit hoher Geschwindigkeit ausströmt. Der Rückstoß treibt das Raumschiff an.

Aber die Nasa setzt nicht alles auf eine Karte. Sie will auch die Entwicklung elektrischer Raketenmotoren vorantreiben. Etwa von Vasimr - Variable Specific Impulses Magnetoplasma Rocket, an der Franklin Chang-Diaz, Nasa-Astronaut und Plasmaphysiker, seit 1979 tüftelt.

Das Triebwerk besteht aus drei hintereinander gelegten Kammern. In der ersten wird der Wasserstoff mit einem elektromagnetischen Feld ionisiert, ehe ihn Radiowellen in der zweiten, wie in der Mikrowelle, auf zehn Millionen Grad erhitzen.

Ohne Sprit segeln

In der letzten Zelle wird das Plasma gebündelt durch eine Düse aus dem Raumschiff geschleudert. "Bis ins Jahr 2004 wollen wir einen Prototypen fertig stellen, der sich im All testen lässt", gibt der Planungschef optimistisch kund. Das einnehmendste unter den Nasa-Projekten sind freilich Lichtsegel - großflächige, ultraleichte Tücher aus Hightechmaterial, die, von Lichtteilchen gelinde getrieben, elfengleich durchs Weltall schiffen. Den Sprit liefert die Sonne. Doch leider ist die Technologie nicht ohne Tücken. Je größer die zu tragende Last und je weiter sich das treibstofflose Schiff zudem von der Sonne entfernt, desto weiter muss es seine Flügel breiten, um kostbare Photonen einzufangen.

Aber es gibt eine spannende Variante. Der Physiker Robert Winglee von der University of Washington in Seattle will sein Gefährt ebenfalls von Sonnenwind durchs All blasen lassen. Sein Segeltuch ist eine bis 30 Kilometer durchmessende Wolke aus Argon-Ionen, zusammengehalten von einem starken Magnetfeld im Raketenmotor. Als Wind pustet der ionisierte Teilchenfluss der Sonne, der um das Magnetfeld strömt und sanften Druck ausübt.

M2P2 hat Winglee seine Erfindung im Star-Wars-Jargon getauft. In nur fünf bis zehn Jahren, glaubt er, könnte eine Sonde mit Magnetsegeln ins All stechen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2002)

Von Hubertus Breuer
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    Modell M2P2

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