Nitrofen: EU verhängt kein Verkaufsverbot

11. Juni 2002, 20:38
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Gegenmaßnahmen "zufriedenstellend"

Im Nitrofen-Skandal wird kein Verkaufsverbot für deutsche Agrarprodukte verhängt. Dies ist das Ergebnis von Beratungen der EU-Kommission mit Experten der Mitgliedsländer über mögliche Konsequenzen aus dem Skandal am Dienstag in Brüssel.

Das deutsche Bundesverbraucherministerium hatte der EU am Wochenende neue Erkenntnisse vorgelegt. Deutschland habe die Situation umfassend dargestellt, insbesondere was die Rückverfolgbarkeit der Produkte betreffe. Mit den getroffenen Maßnahmen sei man zufrieden, erklärte eine Sprecherin von Verbraucherschutzkommissar Davide Byrne Dienstagnachmittag im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Verteter der anderen Unionsländer hätten die von Deutschland getroffenen Maßnahmen gegen eine Weiterverbreitung des verbotenen Pflanzenschutzmittels Nitrofen jedenfalls als ausreichend bewertet. Wegen der Verunreinigung von Futtermittel durch Nitrofen wurden in Deutschland bundesweit mehr als 70 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt.

Mit Nitrofen vergiftetes Getreide könnte unterdessen die Grenze nach Frankreich überquert haben. Ein Müller aus Kauffenheim nahe Straßburg an der deutsch-französischen Grenze hat gegenüber Reuters erklärt, sein deutscher Lieferant habe ihn informiert, dass im Jänner gelieferte 6,4 Tonnen Getreide möglicherweise mit Nitrofen in Berührung gekommen seien.

Er habe das Getreide von einem Händler in Baden-Württemberg gekauft und das Mehl im Februar an Bio-Bäckereien in Ostfrankreich verkauft, sagte Bernard Arbogast der Nachrichtenagentur. Das französische Agrarministerium teilte mit, es warte noch auf weitere Informationen, bevor es über das weitere Vorgehen in dem Fall entscheide.

Finanzielle Hilfen

Die bayerische Staatsregierung stellt den durch den Nitrofen-Skandal geschädigten Landwirten finanzielle Hilfe in Aussicht. Die Gelder kommen aus dem Topf für "die Milderung außergewöhnlicher Belastungen und Notsituationen in der Landwirtschaft". Er ist mit insgesamt 13 Millionen Euro dotiert, teilte die Münchner Staatskanzlei am Dienstag mit. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2002)

Von Katharina Krawagna-Pfeifer aus Brüssel
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