Foltervorwürfe gegen thailändische Regierung

11. Juni 2002, 17:13
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amnesty: Migranten und ethnische Minderheiten am meisten betroffen

London/Wien - "Polizeibeamte und Armeeangehörige in Thailand wenden immer wieder Foltermethoden an, um Geständnisse zu erzwingen und Verdächtige zu bestrafen und zu demütigen". Das berichtet die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Am häufigsten komme die Folter unmittelbar nach Verhaftungen, während Gefangenentransporten und in militärischen "Drogenbehandlungslagern" vor. Arme Menschen, Migranten und Angehörige ethnischer Minderheiten seien von den Misshandlungen am stärksten bedroht.

Folter und Misshandlungen in Gefängnissen würden normalerweise von "Vertrauensmännern" (von den Wächtern ernannte Häftlinge) durchgeführt: Die Praktiken würden als Bestrafungsform für Verstöße gegen die Gefängnisordnung verwendet, schreibt amnesty in einer Aussendung.

Sinchai Saslee sei am 17. Mai 2001 zu Tode geprügelt worden. Der Grund dafür sei offensichtlich eine Wasserflasche gewesen, die er an die Wand in seiner Zelle hängen wollte. Ein Wächter habe begonnen, mit ihm darüber zu streiten, während weitere Wächter gekommen seien, die den Häftling mit Füssen getreten und mit Schlagstöcken geschlagen hätten, bis er das Bewusstsein verloren habe, heißt es in dem ai-Bericht.

Der Bericht von ai beschreibt auch die harten Gefängnisbedingungen, zu denen extreme Überfüllung und Mangel an Nahrung, Hygiene und medizinischer Versorgung gehörten. Viele Menschen würden in den Gefängnissen an AIDS oder an Tuberkulose sterben. Zum Tode Verurteilte würden oft mit schweren Metallketten an den Füssen gefesselt, obwohl dies das thailändische Gesetz verbiete.

"Die Folter darf nicht als ein normales Verhalten akzeptiert werden - sie stellt einen gravierenden Machtmissbrauch dar. Die Regierung muss die Folterpraktiken öffentlich anprangern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen", erklärte Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai-Österreich. "Die thailändische Regierung muss gewährleisten, dass das Gefängnissystem genügend finanzielle Mittel erhält, um die Bedingungen zu verbessern. Die Gefängniswächter und Polizeibeamten müssen auch in internationalen Menschenrechtsnormen ausgebildet werden", fordert Patzelt. (APA)

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