"Ich war nur dabei, mehr nicht "

11. Juni 2002, 16:33
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"Rattengift-Prozess" in Linz fortgesetzt - 16-jähriger Angeklagter wollte Opfer-Foto nicht sehen

"Ich war nur dabei, weil wir immer alles gemeinsam gemacht haben, mehr nicht" - so verantwortete sich am Dienstag im Linzer "Rattengift-Prozess" einer der drei Angeklagten, ein 16-jähriger Lehrling. Die Idee, einem jungen Pärchen statt Drogen Strychnin zu verkaufen, sei vom ebenfalls angeklagten 23-Jährigen gekommen, dieser habe die Sache auch ausgeführt, verantwortete sich der 16-Jährige.

Er habe den 23-Jährigen Anfang 2001 kennen gelernt, es habe ein "gemeinsames Interesse" gegeben, nämlich den Verkauf von Suchtgift, vor allem Haschisch. Auf einem Dachboden habe man Cannabispflanzen angebaut, berichtete der 16-Jährige. Zum Teil habe man auch gemeinsam Haschisch konsumiert.

"Aus Interesse" dabeigewesen ...

Dann allerdings habe der 23-jährige Angeklagte auf dem besagten Dachboden eine halb volle Dose mit Strychnin gefunden. Der 23-Jährige sei es auch gewesen, der den Plan fasste, dieses Gift als Droge zu "vermarkten". Auf Vorhalt des Richters, dass der 16-Jährige bei der Gendarmerie und auch bei der Untersuchungsrichterin immer von "wir" gesprochen habe, sagte der junge Angeklagte jetzt, das stimme nicht, er und sein gleichaltriger Mitangeklagter seien immer nur "aus Interesse" und "weil wir Freunde waren" dabei gewesen, der Ausführende der gefährlichen Strychnin-Deals sei der 23-Jährige gewesen. Das gelte sowohl für den Fall, wo zwei Süchtige das Strychnin überlebten, als auch für die Tragödie von Perg mit den zwei Toten.

Zwar hätten alle Drei gewusst, so der Angeklagte, dass Strychnin "extrem gefährlich" ist, doch er habe nichts dagegen unternommen, als der 23-Jährige dem jungen Pärchen zwei "Lines" mit dem Rattengift gelegt hatte. "Ich hab mir nur gedacht, der wird schon wissen, was er tut", verantwortete sich der 16-Jährige am Dienstag vor Gericht. Er habe auch finanziell keinen Vorteil aus dem Geschäft gehabt, "wir sind nur gemeinsam Essen gegangen", so der Angeklagte.

Angeklagter wollte Opfer-Foto nicht sehen

Bei seiner Befragung durch den Richter zeigte der 16-jährige Angeklagte kaum Emotionen, er antwortete ruhig und leise. Nur einmal ließ der Bursch Gefühle erkennen: Der Richter wollte ihm ein Foto mit der Leiche des 13-jährigen Mädchens in einer Brückennische vorlegen - doch der junge Angeklagte verweigerte den Blick auf das Foto des Opfers.

Es ging dann auch um die Frage, ob der 16-Jährige gemeinsam mit dem 23-jährigen Angeklagten den vom Strychnin schwer gezeichneten 16-Jährigen zum nahe gelegenen Naarnfluss schleppte, damit dieser dort ertrinkt. So sieht es zumindest die Anklage. Der 16-jährige Angeklagte wies diese Darstellung am Dienstag vor Gericht entschieden zurück.

Nächster Verhandlungstermin: 21. Juni

Als nächster Verhandlungstermin ist der 21. Juni vorgesehen. Da man allerdings in "Zeitrückstand" ist - die Einvernahme des dritten, ebenfalls 16-jährigen Angeklagten hat noch nicht einmal begonnen - wird möglicherweise ein weiterer Verhandlungstag "eingeschoben". Ein Termin dafür war vorerst noch nicht bekannt. (APA)

Nachlese

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