... der Aktion Leben

12. Juni 2002, 12:26
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Folgender LeserInnen-Brief erreichte dieStandard.at. Dr. Gertraude Steindl von Aktion Leben im Wortlaut:

"Sehr geehrte Frau Roth,

mit einigem Erstaunen habe ich Ihren „geschichtlichen Hintergrund zur Abtreibungsgegnerschaft“ gelesen. Wer mit so viel Wut im Bauch schreibt, verliert leicht das Augenmaß. Erstaunlich, dass der „Standard“ einen derart einseitigen Artikel ins web stellt.

Was die Aktion Leben betrifft, möchte ich Ihr offensichtlich verschwommenes Geschichtsbild ein wenig aufhellen: Ich konnte weder in unserem Archiv noch bei damals handelnden Personen eine Presseerklärung zum 8. März verifizieren, in der zu lesen gewesen wäre „das Patriarchat hat Gott auf seiner Seite“. Und ich verwehre mich strikt gegen die Verbreitung eines solchen Unsinns.

Bei der damaligen Familienministerin Flemming mußte sich Grit Ebner nie anstellen, beide kannten sich damals schon viele Jahre sehr gut. Die Generalsekretärin der Aktion Leben hat darüber hinaus mit jeder Familien-ministerin bzw. -minister das Gespräch gesucht, unabhängig von jeder politischen Couleur. Da der Verein in verschiedenen Bereichen von Familien-agenden tätig war und ist, ist dies eine Selbstverständlichkeit und in keiner Weise irgendwie anrüchig.

Was der Verein von der Familienministerin wollte und auch bekam, ist eine Liste der staatlich geförderten Familienberatungsstellen, um BeraterInnen zu Tagungen einladen zu können. Sie unterliegt keinem Datenschutz, und es liegt auch im Interesse der Familienberatungsstellen, dass man sie kennt. Jedermann/Jede Frau kann sich diese Liste besorgen, ein Telefonanruf genügt. Also auch dies ist kein Anlaß, eine Anrüchigkeit zu unterstellen.

Niemals hat die Aktion Leben Frauen verlockt, ihre Schwangerschaft auszutragen. Was haben Sie für ein Frauenbild, dass Sie behaupten, Frauen liessen sich einfach „verlocken“, womöglich durch finanzielle Anreize, eine Schwangerschaft auszutragen? Gerade diese Behauptung beweist den eingeschränkten Blickwinkel Ihres Artikels, dem leider ein tieferes Verständnis für Frauen im Schwangerschaftskonflikt fehlt.

Und die Behauptung „Es gab (gibt) Scheinanstellungen, um Karenzgeldansprüche zu erlangen“ ist eine böswillige Unterstellung. Für Scheinanstellungen haben wir uns nie hergegeben! Wir haben aber sehr wohl schwangeren Frauen, die am Arbeitsmarkt keine Chance hatten, Arbeitsplätze vermittelt, damit sie Karenzgeldansprüche erwerben konnten. Wir sind davon überzeugt, dass es für Frauen erträglicher ist, einen Anspruch auf Karenzgeld zu haben als um Sozialhilfe betteln zu gehen und dem Behördenermessen ausgesetzt zu sein. Unser Ziel war und ist es, das Selbstwertgefühl der Frauen zu stärken, und gerade diese Anstellungen haben viel dazu beigetragen.

Als privater Verein, der sich aus Spendenmitteln finanziert, sehen wir unsere finanzielle Hilfe immer als eine Überbrückungshilfe in Notsituationen und informieren darüber auch jene Frauen, die in unsere Beratungsstelle kommen. Natürlich hätten wir gerne mehr Mittel zur Verfügung, wir können aber nur das geben, was wir haben. Viele Beratungsstellen können gar keine Unterstützungen geben. Es versteht sich von selbst, dass wir alle finanziellen Versprechungen, die wir Schwangeren gegenüber abgeben, auch einhalten.

Betreuung und Unterstützung kann es etwa bis zum 2. Geburtstag des Kindes geben, was nur sehr selten so lange in Anspruch genommen wird. Grundsätzlich wird mit der Klientin auch ein „Zukunftsplan“ ausgearbeitet. Von der Vorspiegelung falscher Tatsachen, die Se unausgesprochen unterstellen, kann keine Rede sein. Wir machen Frauen nichts vor und wissen aus vielfacher leidvoller Erfahrung, wie schwer es Alleinerzieherinnen haben. Die zitierte Aussage von „Frauen beraten Frauen“ kann sich nicht auf uns beziehen. Unsere Beraterinnen sind hoch qualifizierte Sozialarbeiterinnen sowie Psychologinnen. Sie machen ihre Arbeit für die Frauen, die Beratung und Hilfe suchen, professionell und mit viel Engagement. Dass auch Frauen nach Abbruch in unsere Beratung kommen, zeigt, dass sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen.

Aus der Professionalität der Aktion Leben-Schwangerenberatung resultiert, dass wir keine verpflichtende Schwangerenberatung fordern. Allerdings fordern wir Werbung für Familienberatungsstellen mit dem Schwerpunkt Schwangeren-beratung, damit Frauen wissen, wohin sie sich im Konfliktfall wenden können. Wir bemühen uns in diesem Sinn auch um Vernetzung der Beratungsstellen, um schnell und effizient helfen zu können.

Dass die Aktion Leben Frauen „kriminalisieren will“, wird zwar von Frauen Ihrer Denkrichtung gelegentlich behauptet. Aber auch wenn es noch so oft unterstellt wird, entspricht es nicht der Realität. Und wir verwahren uns strikt dagegen.

Im Übrigen: Wir wünschen mit keiner der im weiteren Verlauf Ihres Beitrags erwähnten Lebensbewegungen in einen Topf geworfen zu werden, noch mit ihnen verwechselt zu werden. Wir haben uns von allem Anfang an von deren Praktiken distanziert und dies auch immer öffentlich gesagt. Dass dies von Ihnen offenbar nicht zur Kenntnis genommen werden will, ist traurig. Uns zeigt es, dass die Fundamentalisten rechts und links mit den selben Waffen kämpfen. Da machen wir nicht mit!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gertraude Steindl"

Die Redaktion von dieStandard.at stellt dazu fest, dass "ein derartig einseitiger Artikel" (s. Brief erster Absatz) nicht ins Netz gestellt wurde. Wir haben uns zur Verlinkung entschlossen, um auf gewisse Methoden der Abtreibungs-
gegnerInnen aufmerksam zu machen, wie sie Viktoria Roth beschreibt. Im Sinne der Ausgewogenheit bieten wir der Aktion Leben Gelegenheit zu einer Stellungnahme.

Zum Artikel von Viktoria Roth
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