Größte heimische Industrien nicht gegen Terror versichert

11. Juni 2002, 14:54
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Kündigungen von Terrorrisiken werden in den Polizzen erfolgen

Wien - Die größten österreichischen Industriebetriebe und -anlagen sind derzeit nicht gegen Terroranschläge versichert, sagte der Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Karl Fink, am Dienstag in Wien am Versicherungstag, der alljährlich vom Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) veranstaltet wird. Laut Fink haben zudem alle Versicherungen vor, in ihren Verträgen das Terrorrisiko einzuschränken, da derzeit keine Deckung bei Rückversicherungen zu bekommen sei. "Kündigungen für den Terrorteil in den Versicherungspolizzen werden vorgenommen werden müssen", meinte Fink.

Fink forderte im Zusammenhang mit dem österreichischen Pool für die Versicherung von Terrorrisken ("Terror-Pool") den Staat auf, "kräftig mitzuwirken", um eine höhere Deckung des Terrorrisikos abzusichern. Wie berichtet deckt der Terror-Pool 50 Mill. Euro durch die Erstversicherer ab, weitere 150 Mill. Euro sollen von internationalen Rückversichern abgedeckt werden und für Terrorschäden über 200 Mill. Euro wird eine Staatsgarantie bzw. Staatshaftung angestrebt. Im Vergleich dazu gebe es in Frankreich einen Pflichtversicherungspool mit unbegrenzter Schadensdeckung und in Deutschland eine Versicherung auf freiwilliger Basis, aus der Sachschäden und Betriebsunterbrechungen bis zu 3 Mrd. Euro bzw. inklusive Staatshilfe von 13 Mrd. Euro jährlich abgedeckt werden.

Teilnahme des Staates wird konkretisiert

Zwar würden die österreichischen Summen im Vergleich dazu sehr bescheiden anmuten, aber ein erster Schritt wäre getan, so Fink. Am österreichischen Terror-Pool würden 98 Prozent der heimischen Erstversicherer teilnehmen. Gespräche mit Rückversicherungen aus Europa, den USA und den Bermudas seien derzeit in Gange, die Angebote seien recht unterschiedlich. Versicherungs- und Finanzmarktaufsicht hätten sich positiv geäußert, Gespräche mit dem Finanzministerium seien im Gange.

Fink erwartet, dass sich die Teilnahme des Staates am Terror-Pool in den nächsten Wochen konkretisieren wird. Bis zur Schadensabdeckung von 50 Mill. Euro werde es zu keine Prämienerhöhungen kommen. Das zusätzlichen 150 Mill. Euro-Volumen, das durch Rückversicherer abgedeckt werden soll, dürfte zusätzlich rund 3 Promille der Versicherungssumme kosten, hieß es.

Terroranschläge nicht berechenbar

Die Kritik, die Versicherungen hätten nach dem 11. September die Prämien für Industrieversicherungen zuerst kräftig angehoben und in der Folge die Terrordeckung herausgekündigt, begegneten die Vertreter der Versicherungswirtschaft mit dem Argument, dass die Industrieversicherungen traditionell defizitär gewesen seien und zusätzlich die Kosten für den 11. September absorbieren hätten müssen. Auf Grund der derzeit schlechten Kapitalmarktsituation sei es auch nicht möglich, dieses Defizit - wie früher - durch ein gutes Finanzergebnis abzudecken.

Die Schwierigkeit, Terrorakte in Prämienakte umzusetzen, ergebe sich daraus, dass Terroranschläge als Willkürakte im Gegensatz zu Naturkatastrophen nicht berechenbar seien, meinte der Präsident des Versicherungsverbandes und Generali-Vienna-Generaldirektor Dietrich Karner. In Anbetracht dessen, dass auch Kraftfahrzeuge riesige Schadensfälle verursachen könnten, wie die Katastrophen im Tauern- und im Montblanc-Tunnel gezeigt hätten, bezeichnete Karner die derzeitige Mindestversicherungssumme in der Kfz-Haftpflicht von rund 1 Mill. Euro als "absolut unzureichend". In Europa gehöre Österreich diesbezüglich zu den unterentwickelten Ländern.

Der Versicherungstag stand heuer unter dem Motto "Risikopolitische Bewältigung von Katastrophenrisken" und thematisierte neben dem Terrorrisiko noch das in den vergangenen Jahren stark gestiegene Schadenspotenzial aus dem Massenverkehr und Naturkatastrophen.(APA)

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