Ikea will die Sonntagsöffnung

11. Juni 2002, 15:10
37 Postings

Chef für Zentraleuropa verlangt wenigstens eine Testphase - bauMax und dm bleiben pragmatisch - Round Table mit ÖVP-Klubobmann folgt

Wien - Die Hoffnung von Ikea-Zentraleuropa-Chef Per Wendschlag schon bald an einigen Sonntagen in Österreich aufsperren zu können, ist nach den heftigen Reaktionen aus Politik, Handel und vor allem Gewerkschaft zwar kleiner geworden. Aufgeben will er jedoch nicht. "Die Sonntagsöffnung kommt irgendwann und ich verstehe nicht, warum wir nicht einmal 8 Sonntage in der dunklen Jahreszeit testen dürfen", machte Wendschlag am Dienstag beim 14. Handelskolloquium in Wien einen neuen Vorstoß für die Sonntagsöffnung. Im Ikea-Heimatland Schweden, wo der Möbelkonzern auch am Sonntag offen hat, werden immerhin 60 Prozent der Umsätze am Wochenende gemacht.

Diskussion folgt

Am 26. Juli wollen rund 30 Vertreter des Handels auf Einladung des neuen Präsidenten des Österreichischen Handelsverbands, Ferdinand Brenninkmeijer, mit ÖVP-Klubobmann Andreas Khol neuerlich das Thema liberalere Öffnungszeiten diskutieren. Wendschlag sieht derzeit nur eine Chance für eine Ausweitung der Wochenöffnungszeiten von derzeit 66 auf 72 Stunden, wie dies im Regierungsabkommen vereinbart ist.

Ohne Veränderung an Samstagen oder Sonntagen bringt ein solcher Schritt nach Ansicht von Wendschlag seiner Branche nicht viel. Davon würden nur die Lebensmittelhändler profitieren. "Was soll ich mit den 6 Stunden", so der Ikea-Manager. Angesichts des "Zeit-im-Bild-Phänomens" in Österreich - kurz nach 19 Uhr geht die Kundenfrequenz dramatisch zurück-, hält er nicht viel von kleinen Ausweitungen am Abend, über den derzeitigen Rahmen (Montag bis Freitag 6 bis 19 Uhr 30) hinaus.

"Samstag: länger als 17 Uhr aufsperren"

Sinnvoll wäre es jedoch, am Samstag das Aufsperren länger als nur bis 17 Uhr und vor allem am Sonntag zu ermöglichen, dafür sei jedoch wahrscheinlich "eine neue Regierungskonstellation notwendig". Im Gegenzug könnten Möbelhäuser am Vormittag - ähnlich wie schon in Schweden - erst um 11 Uhr aufsperren. Schon jetzt macht Ikea am Freitagnachmittag und am Samstag die Hälfte seines Umsatzes. "Am Montag und Dienstag Vormittag ist dafür tote Hose", so Wendschlag.

Angst, nicht genügend Mitarbeiter für das Wochenende zu finden, hat er nicht. "Wir haben auch jetzt am Samstag kein Problem", betont er. Die Mitarbeiter könnten sich im Internet melden. Ob und wie sich die vorgeschriebenen Zuschläge verdienen lassen, müssten ohnehin die Unternehmen überlegen und beweisen.

bauMax und dm zurückhaltend

Beim heimischen Baumarktriesen bauMax und dem Drogerieriesen dm hält man sich in Sachen Sonntagsöffnung mit aktiven Vorschlägen zurück. "Wenn es an einem Standort notwendig ist, würden wir aber ebenfalls Maßnahmen setzen", so dm-Geschäftsführer Peter Krammer vorsichtig. Vor allem wenn der Einkaufstourismus nach der EU-Osterweiterung an einem Standort besonders groß sei. Auch bauMax will sich bei der Sonntagsöffnung "nicht hervortun". An Standorten, wo es notwendig ist, sollte es aber auch möglich sein, so Expansionschef Christian Strasser. In den Reformländern, wo bauMax bereits seit mehr als 10 Jahre aktiv ist, habe man mit Öffnungszeiten von 8 bis 21 Uhr an 7 Tagen die Woche durchaus gute Erfahrungen gemacht. (APA)

Link

Ikea

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.