Reisebüros: Mit Optimismus in die Sommersaison

11. Juni 2002, 16:39
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Umfrage zeigt Steigerung bei Buchungen in den Bereichen Wellness-, Familien- und All Inclusive-Urlauben - Kritik an Österreich Werbung

Wien - Nach einem durchaus positiven Winter blicken die österreichischen Reisebüros, was den Österreich-Urlaub betrifft, mit Optimismus in den Sommer. Besonders starke Nachfrage herrscht nach Wellness- sowie Familien- und All Inclusive-Urlauben. Dies zeigt eine Umfrage des Fachverbands der Reisebüros in der Wirtschaftskammer.

Der Sommer 2002 wird nach den Worten des Leiters des Arbeitskreises Incoming, Candidus Graiff, nicht schlechter als der des Vorjahres. 44 Prozent der Incomer schätzen ihn gleich ein gegenüber dem Vorjahr, 35 Prozent schwächer und immerhin 16 Prozent stärker.

Die Auswirkungen des Terroranschlages hätten sich bei 32 Prozent der Reisebüros deutlich bemerkbar gemacht, bei 36 Prozent "wenig," und bei 27 Prozent habe es keine gegeben.

Vom Ausfall des Überseebereichs habe der Nahbereich profitiert, so Graiff. Veränderungen im Mitarbeiterstand nach den Terroranschlägen wurden nur bei elf Prozent vorgenommen, bei 84 Prozent blieb alles beim alten.

Der Auswertung zufolge hat sich die vergangene Wintersaison im Vergleich zu 2000/2001 bei 41 Prozent der Reisebüros positiv entwickelt, 32 Prozent konnten keine Veränderung feststellen, 22 Prozent berichten über eine negative Entwicklung. Dies vor allem, so Graiff, bei Incomern im Überseebereich.

Die Winter-Feiertagsspitzen sind laut Graiff immer voll, Lücken gebe es aber im Jänner, die mit Hilfe von Sonderangeboten oder "speziellen Werbebotschaften" gefüllt werden sollen. Graiff wünscht sich eine Staffelung der Ferien - auch in Zusammenarbeit mit Deutschland.

Insgesamt wurden 300 Fragebogen an Incomingbüros ausgeschickt, Rückmeldungen gab es von etwa 50 Prozent, wobei hier alle Großveranstalter vertreten waren.

Kritik an Österreich Werbung

Die österreichischen Incoming-Büros wünschen sich eine verstärkte Einbindung in die Aktivitäten der Österreich Werbung (ÖW) und in die Werbemaßnahmen der Tourismus-Landesverbände.

Graiff sieht es als ein "latentes Problem", dass etwa die ÖW Meetings veranstalte, jedoch dabei keine Vertreter der Incomer eingeladen werden. Die ÖW betreibe vor allem "Image-Werbung" - es gebe jedoch "keine Werbung ohne Verkauf", so Graiff.

Die Reisebürobranche erzielt laut Fachverband Umsatzerlöse und Erträge von knapp 3,1 Mrd. Euro, 30 Prozent fielen dabei auf den Incoming-Bereich. 23 Millionen Nächtigungen würden über Reisebüros (Incoming) vermittelt.

ÖW entgegnet

In einer Reaktion auf die Kritik entgegnete die Österreich Werbung, dass "die Reisebürowirtschaft im Marketingbeirat der Österreich Werbung, der fünf Mal jährlich tagt, vertreten sei."

Weiters sei für diesem Sommer geplant, eine eigene Incoming-Plattform zu schaffen, in der die Marketing- und Verkaufsaktivitäten der größten österreichischen Incomer mit der Österreich Werbung abgestimmt werden.

Unverständnis über Visa-Regelung bei russischen Gästen

Incomer müssten sich in den Anträgen verpflichten, für etwaige Schäden gegenüber der öffentlichen Hand, zu haften. "Ein privates Incoming-Büro kann nicht haften. Das kann gleich zusperren", wundert sich Graiff.

70.000 - vor allem zahlungskräftige - russische Gäste würden heuer erwartet, im Winter sei die Gästezahl um 20 Prozent gestiegen. (APA/red)

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