Reform der Nachtarbeit

13. Juni 2002, 17:16
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Frauen dürfen künftig "durcharbeiten" - Prammer: "Kein fairer Ausgleich für höhere Belastung"

Wien - Jetzt ist es offiziell: Das generelle Verbot der Frauennachtarbeit fällt. Die Regierung hat sich in Anpassung an EU-Recht auf ein neues Nachtarbeitsgesetz verständigt. Nacharbeiter oder Nachtarbeiterin ist, wer regelmäßig oder in mindestens 48 Nächten im Jahr zumindest drei Stunden zwischen 22.00 Uhr und 5.00 Uhr arbeitet. Neu ist ein verstärkter Anspruch auf Gesundenuntersuchungen sowie ein Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz wegen Betreuungspflichten für Kinder bis zwölf - soweit dies betrieblich möglich ist.

Kritik kommt vom ÖGB ...

In der Regierungsvorlage seien keine Zeitguthaben zum Ausgleich der besonderen Belastungen bei der Nachtarbeit vorgesehen. Der Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz sei außerdem von den betrieblichen Möglichkeiten abhängig und nur bei Gesundheitsproblemen oder unbedingt nötigen Betreuungspflichten vorgesehen.

... und Barbara Prammer

SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer bedauert, dass "ein wirklich fairer Ausgleich der höheren Belastung bedingt durch die Berufstätigkeit in der Nacht", nicht gegeben sei. "Diese wäre durch das geforderte Zeitguthaben von zehn Minuten pro Stunde, Zuschläge für die Nachtarbeit und individuelle Zeitregelungen gegeben gewesen", sagte Prammer.

Soziale und gesundheitliche Beeinträchtigungen

Wer in der Nacht arbeitet, hat gesundheitliche und soziale Beeinträchtigungen, die entsprechend abgegolten werden sollten - egal, ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt", betonte Prammer und meinte abschließend: "Dieser Entwurf ist wieder einmal mehr ein Gesetzesentwurf, der den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht wirklich entgegen kommt."

Kritik auch von der Katholischen Frauenbewegung

Die Aufhebung des Nachtarbeitsverbotes für Frauen ist für die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) kein Schritt zur Gleichberechtigung, sondern "ein weiterer Schritt in eine menschenunwürdige Arbeitswelt, in der Wirtschafts- und Unternehmensinteressen Vorrang haben". Die kfbö lehnt deshalb das an das EU-Recht angepasste neue Nachtarbeitsgesetz ab. Da Nachtarbeit für jeden Menschen gesundheitsschädlich ist, sollte sie Frauen und Männern nur dort ermöglicht werden, wo dies unumgänglich ist. Personen mit Betreuungspflichten sollten einen gesetzlich verankerten Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz haben, ungeachtet der betrieblichen Möglichkeiten.

Die kfbö weiter: "Eine frauengerechte und familienfreundliche Politik sollte vielmehr partnerschaftliche Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen tagsüber fördern und Nachtarbeit soweit als möglich einschränken." (red)

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