UMTS erst bei hohem Marktanteil profitabel

11. Juni 2002, 13:28
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Deutscher Experte: Handel mit UMTS-Frequenzen ermöglichen

Düsseldorf - Mit UMTS lässt sich in Deutschland einer neuen Studie zufolge selbst in zehn Jahren erst ab einem Marktanteil von 35 Prozent profitabel wirtschaften. Zu diesem Ergebnis kommt der Duisburger Wissenschaftler Torsten Gerpott in einer am Dienstag auf einer Tagung in Düsseldorf vorgestellten Modellrechnung. Demnach können in Deutschland auf Dauer nur drei bis vier UMTS-Netzbetreiber Gewinn bringend operieren.

Eine Möglichkeit zur Vermeidung von Insolvenzen sieht Gerpott darin, einen Handel mit UMTS-Frequenzen zu gestatten. Kleineren Betreibern müsse es ermöglicht werden, einen Teil ihrer Frequenzen an die Großen abzugeben.

Erst bei Anteil von 35 Prozent postitiv

Gerpott, der an der Universität Duisburg den Lehrstuhl "Planung und Organisation" innehat, geht in seinem Modell der Frage nach, ab wann die UMTS-Anbieter ihre Kapitalkosten erwirtschaften können. Danach generieren Unternehmen bei einem Marktanteil von 15 Prozent noch im Jahre 2012 einen negativen Cash-Flow von 6,8 Mrd. Euro, bei 20 Prozent wäre es ein Minus von knapp fünf Mrd. Euro.

Erst mit einem Anteil von 35 Prozent fiele nach den Berechnungen des Professors 2012 ein bescheidener positiver Cash-Flow von 0,5 Mrd. Euro an. Bei 40 Prozent würde der Breakeven schon einige Zeit früher erreicht. 2012 käme ein Anbieter bereits auf 2,3 Mrd. Euro Cash-Flow.

Nur wenige haben Chancen

Einen Marktanteil von rund 40 Prozent haben momentan aber nur die Mobilfunkbetreiber T-Mobile und Vodafone. Alle anderen folgen in weitem Abstand. UMTS-Lizenzen besitzen außerdem E-Plus, MobilCom, Quam und mmO2, die vormalige Viag Interkom. Gerpott legt seinem Modell die Erwartung zu Grunde, dass es Ende 2012 in Deutschland 61,5 Millionen UMTS-Kunden geben wird, die damit 85 Prozent vom gesamten Mobilfunkmarkt ausmachen. Für Ende des kommenden Jahres prophezeit er erst ein Prozent bwz. 650.000 Nutzer. Die 30-Prozent-Schwelle wird den Prognosen zufolge Ende 2007 mit 20,7 Millionen Teilnehmern erreicht.

Die Mobilfunk-Kunden lassen laut Gerpott anfangs mehr Geld bei den Betreibern als in späteren Jahren. Der Experte erwartet 2003 einen durchschnittlichen monatlichen Nettoumsatz pro Kunde (APRU) von 70 Euro. Angesichts der düsteren Perspektiven für die kleineren Anbieter bezeichnete es der Experte als "spannende Aufgabe" für Juristen und den Regulierer, den Handel mit Frequenzen zu ermöglichen. Davon müssten auch die "Platzhirsche" T-Mobile und Vodafone profitieren.(APA/vwd)

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