DÖW-Anzeige gegen den "Eckart" wegen Wiederbetätigung

11. Juni 2002, 12:32
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Organ der Österreichischen Landsmannschaft stellte Massaker in Abrede

Wegen des Verdachts der Wiederbetätigung hat das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) jetzt Anzeige nach dem Verbotsgesetz gegen das Organ der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) "Der Eckart" (früher "Eckartbote") erstattet. Den Tatbestand erfüllt nach DÖW-Ansicht ein Zitat auf Seite fünf der jüngsten Ausgabe: "Experten sind sich nun sicher, dass es das ´Massaker von Marzabotto´(Italien) nicht gegeben habe und der unschuldig verurteilte, inzwischen verstorbene Major Walter Reder dort nie gewesen sei."

Nach Ansicht des wissenschaftlichen Leiters des DÖW, Wolfgang Neugebauer, wird damit "ein nationalsozialistisches Verbrechen geleugnet", wie es in der Anzeige an die Staatsanwaltschaft heißt.

Beim Massaker von Marzabotto wurden laut der von Wolfgang Benz, Hermann Weiß und Hermann Graml herausgegebenen "Enzyklopädie des Nationalsozialismus" im September 1944 von u.a. Einheiten der 16. SS-Panzergrenadier-Division der Ort und einige der umliegenden Dörfer zerstört. "Nach italienischen Angaben kamen insgesamt 1.830 Zivilisten (Männer, Frauen und Kinder) in den Flammen der Häuser um oder wurden erschossen", heißt es weiter.

Ein italienisches Militärgericht verurteilte Walter Reder, den Kommandeur der Einheit zu lebenslanger Haft. 1985 wurde er begnadigt und kehrte nach Österreich zurück. Dabei kam es zu dem berühmt-berüchtigten Handschlag mit dem damaligen FPÖ-Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager.

Verbrechen wird "nicht bezweifelt"

Neugebauer betont in der Anzeige, dass dieses Verbrechen "in der seriösen historischen Fachliteratur bis heute nicht bezweifelt wird". Der DÖW-Leiter weiter: "Bei den von der Zeitschrift 'Der Eckart' nicht näher genannten 'Experten' handelt es sich mutmaßlich um rechtsextreme Geschichtsfälscher wie z.B. Lothar Greil ('Die Lüge von Marzabotto')."

Laut DÖW-Homepage bekommt der Fall "politische Brisanz (...) durch die Nähe der ÖLM zur FPÖ: Mit Johann Herzog, Helmut Kowarik und Bärbel Schöffnagel gehören gleich drei Wiener FPÖ-PolitikerInnen zu den führenden FunktionärInnen der ÖLM".

Der "Eckartbote" wurde mit der Juni-Ausgabe in "Der Eckart" umbenannt. Schriftleiter ist nach wie vor Helmut M., der auch als Autor im Organ der mit dem Verbot bedrohten deutschen NPD, der "Deutschen Stimme", fungiert. Dort schrieb er im vergangenen Herbst: "Von Palästina bis Afghanistan stehen imperialistisches Machtstreben und nationalzionistische Politik gemeinsam an der Wiege der für permanente Unruhen nötigen Ausgangsbedingungen." Laut DÖW ist er auch bei Schulungsveranstaltungen für NPD-Mitglieder in Deutschland aufgetreten. (APA)

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