Spanien: 400 Einwanderer besetzen Universitätsgebäude

11. Juni 2002, 12:35
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Protest gegen uneingelöste Versprechen der Regierung

Sevilla - Rund 400 "illegale" Einwanderer aus Marokko und anderen Staaten Nordafrikas haben Gebäude der Universität in der südspanischen Metropole Sevilla besetzt. Sie wollten das Gelände erst wieder verlassen, wenn die spanischen Behörden ihnen Aufenthaltsgenehmigungen gewähren. Die Besetzer übernachteten in Sporthallen der Universität. Viele von ihnen hatten nach Presseberichten vom Dienstag bereits im vorigen Jahr an ähnlichen Protesten in anderen Städten Südspaniens teilgenommen.

Damals sei ihnen versprochen worden, dass der Staat ihnen die gewünschten Papiere geben werde, teilten Ausländerinitiativen mit. Die Regierung habe ihr Versprechen jedoch nicht gehalten. Die Nordafrikaner hatten in diesem Frühjahr bei der Erdbeerernte in der Gegend von Huelva gearbeitet. Viele von ihnen fanden jedoch weniger Arbeit als erhofft. Die Agrarbetriebe hatten in diesem Jahr vor allem weibliche Erntehelfer aus Polen und anderen Ländern Osteuropas eingestellt.

Die Einwanderungsproblematik wird den EI-Gipfel in Sevilla dominieren, der Ende kommender Woche zum Abschluss der spanischen EU-Präsidentschaft im andalusischen Sevilla stattfindet. Die Migrationspolitik stelle ein zentrales Schlüsselproblem der Union dar, hatte der spanische Ministerpräsident Jose-Maria Aznar am Montag anlässlich seines Blitzbesuches in Österreich im Rahmen der "Tour des Capitales" in Wien bekräftigt. Der spanische EU-Ratsvorsitzende kündigte in diesem Zusammenhang neue Aktionspläne gegen die illegale Einwanderung an. (APA/dpa)

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