Schweizer Presserat zu Bildbeschaffung im Internet

11. Juni 2002, 11:09
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Beschwerde gegen "Blick" gut geheißen

Die Übernahme eines heiklen Bildes ohne Einholung der notwendigen Einwilligung ist berufsethisch unlauter. Dies hat der Schweizer Presserat entschieden und eine Beschwerde gegen die Boulevardzeitung "Blick" gut geheißen. Im August 2001 veröffentlichte das Massenblatt "Blick" einen Beitrag mit der Schlagzeile "Schändete CVP-Politiker seine kleine Tochter?". Illustriert war der Beitrag mit einem Foto von Vater und Tochter, deren Augen mit schwarzen Balken abgedeckt waren. Dieses war zuvor einem Journalisten des Internet News Portals "OnlineReports.ch" anvertraut und dort veröffentlicht worden.

Der Inhaber des Internet News Portals rief daraufhin den Presserat ab und machte geltend, "Blick" habe bei der Bildbeschaffung unlauter gehandelt. Der "Blick"-Journalist habe sich zwar nach den Urheberrechten am Bild erkundigt - jedoch nie gefragt, ob das Bild heruntergeladen und wiederverwendet werden dürfe. "Blick" wies die Beschwerde als unbegründet zurück. Das Blatt betonte, dass der Online-Journalist keine eigenen Rechte am Bild geltend gemacht habe, sondern den Journalisten an den Politiker der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) weiter verwiesen hätte. Das Foto mit dem Kürzel "zVg" (zur Verfügung gestellt) habe deshalb von "Blick" publiziert werden dürfen.

Beschwerde gut geheißen

Der Schweizer Presserat hieß die Beschwerde gut. Die Übernahme eines derart heiklen Bildes ohne Einholung der notwendigen Einwilligung sei "berufsethisch unlauter". Ausschlaggebend war, dass der "Blick"-Journalist bei seinem Berufskollegen den Eindruck erweckt habe, vor einer allfälligen Veröffentlichung des Bildes den Abgebildeten zu kontaktieren. Der Presserat betont in seiner Antwort vom Dienstag weiter, dass ein mit "zVg" gekennzeichnetes Bild nicht ohne Weiteres zum wiederholten Abdruck freigegeben sei - erst recht nicht, wenn die Privat- oder Intimsphäre der Abgebildeten betroffen sei. Im konkreten Fall stehe die Darstellung im Kontext eines massiven strafrechtlichen Vorwures. (APA)

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