"Die Schnauze einfach voll"

11. Juni 2002, 10:44
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Volksbühne Berlin: Castorfs Verbleib noch nicht gesichert

Berlin - Ob Frank Castorf Intendant der Berliner Volksbühne bleibt, ist nicht sicher. "Entgegen dem zum Teil positiven Tenor der Berichterstattung" bleibe noch "ein großer Handlungsbedarf seitens der Politik, um die Verabredungen einzulösen und Frank Castorf in Berlin zu halten", teilte die Pressestelle der Volksbühne am Montag mit. Dies betreffe die Verhandlungen zur Verlängerung seines Ende Juli auslaufenden Vertrages als Intendant der Volksbühne. Die jetzt vom Parlament bewilligte Erhöhung der Zuschüsse sei unzureichend.

Die Volksbühne erhält gegenwärtig einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 13,39 Millionen Euro. Castorf hatte eine Erhöhung um 813.000 Euro in diesem und im nächsten Jahr sowie eine weitere schrittweise Anhebung bis 2007, der Laufzeit des noch auszuhandelnden Vertrages zur Bedingung gemacht. Castorf ist seit zehn Jahren Intendant am Rosa-Luxemburg-Platz und hatte mehrfach seine Unzufriedenheit mit der seiner Ansicht nach ungenügenden finanziellen Ausstattung für die künstlerische Arbeit und die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in seinem Haus geäußert.

Jetzt seien ihm vom Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses nur 290.000 Euro im laufenden und 653.000 Euro im folgenden Jahr bewilligt worden, teilte die Volksbühne mit. Für die Zeit ab 2004 gebe es darüber hinaus noch keine Aussage. "Von mittlerweile drei Senatoren und der Kulturverwaltung wurde der strukturelle Mehrbedarf für die Volksbühne anerkannt, der auf rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr beziffert wurde." Auch die Abgeordneten aller politischen Parteien hätten die finanzielle Sicherstellung der Volksbühne gefordert, betonte das Theater in seiner Stellungnahme am Montag.

Castorf hatte kürzlich in einem temperamentvollen Auftritt im Theaterausschuss des Abgeordnetenhauses beklagt, dass er wie andere Intendanten in Berlin seit Jahren gezwungen sei, "herumzubetteln". Davon habe er jetzt "die Schnauze einfach voll". Kultursenator Thomas Flierl (PDS) will mit Castorf Gespräche über die Verlängerung seines Vertrages nach der Verabschiedung des Berliner Doppelhaushaltes im Abgeordnetenhaus am 27. und 28. Juni führen. (APA)

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