"Da sage ich einfach: Das verhandle ich nicht!"

11. Juni 2002, 11:02
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Robert Menasse übt im Falter-Interview Kritik am neuen Unireformgesetz und am Unibeirat, dem er selbst angehört

In einem Interview in der neuen Ausgabe des "Falters - Die Stadtzeitung" übt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse Kritik an den Plänen der Bildungsministerin, am fehlenden Engagement seiner Beiratskollegen und an der Untertänigkeit mancher Universitätsprofessoren.

Universitäten gängeln

Menasse habe nicht gewußt, wie ihm geschah und schon sei er im Universitätsbeirat gesessen, einem Gremium, das "keine Idee von sich selbst" habe und versuche "Macht durch Einfluss und kleine politische Deals" zu realisieren. Den Regierungsentwurf zur Universitätsreform bezeichnet Menasse als Widerspruch: "Man will eine autonome Universität, aber man will sie zugleich so, dass man sie doch wieder gängeln (...) kann." Der Universitätsbeirat habe dem Gesetzesentwurf zugestimmt, in der Hoffnung der Regierung damit Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, um im Anschluss weiter darüber verhandeln zu können.

Groteske Verhandlungen

Menasse hält sich mit seiner Kritik an dieser Zustimmung nicht zurück und wagt einen Vergleich: "Wenn eine Regierung auf den Gedanken kommen sollte, sich der Förderung der Literatur auf eine Weise zu widmen, dass sie beschließt, es soll allen Literaten beide Hände abgehackt werden, weil sie dann keine Probleme mehr beim Tippen haben, dann erschiene es mir grotesk, in Verhandlungen einzutreten, ob ich wenigstens den linken kleinen Finger behalten darf. Sondern da sage ich einfach: Das verhandle ich nicht!"

Zustimmung zur Selbstauflösung

Das Paradoxe sei, dass der Universitätsbeirat mit der Zustimmung zum Gesetzesentwurf zur Unireform, ohne es zu ahnen, damit gleichzeitig auch der eigenen Selbstauflösung zugestimmt habe. Denn im neuen Gesetz sei kein Beirat mehr vorgesehen, so Menasse im Falter-Interview.

Den Studierenden empfiehlt Menasse "eine größtmögliche Mobilisierung der Universitäten", "Entwicklung praktikabler Möglichkeiten von Zeitgewinn", sowie Eröffnen von "Nebenfronten" - im Sinne von Streikposten bei Vorlesungen von Unigesetz-befürwortenden Professoren. (red)

Der diesjährige Friedrich Hölderlin-Preisträger Robert Menasse wurde im Mai 2002 mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis der Berliner Akademie der Künste ausgezeichnet.

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FALTER

Teile des Interviews wurden bereits in dieUniversität.at veröffentlicht.
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