Netz von KPNQwest bleibt einstellgefährdet

11. Juni 2002, 01:06
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Betrieb hängt an ausständigen Kundenzahlungen

Wien - Der internationale Betrieb des in Konkurs befindlichen europäischen Netzbetreibers KPNQwest ist offenbar weiterhin akut von Einstellung bedroht. Die Weiterführung hing am Montag davon ab, dass Großkunden ausständige Rechnungen sofort begleichen, berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und die Financial Times Deutschland. Demnach soll der Aufsichtsrat von KPN-Qwest seinen Kunden für gestern (Montag) Abend einen Termin zur sofortigen Bezahlung von Außenständen gesetzt haben.

Mobiltelefone bereits gesperrt

Von diesen Zahlungen sei es abhängig, ob die internationalen Hauptleitungen (Backbones) mithilfe eines minimalen Stabes für die nächsten Wochen weiterbetrieben werden können. Allerdings war Montag Nachmittag nicht bekannt, ob KPN, gleichzeitig 40-Prozent-Eigentümer und einer der größen Kunden von KPNQwest, diesen Plan durch Zahlungen unterstützen würde. KPN soll mit Außenständen von 23 Millionen Euro der größte Schuldner des Netzbetreibers sein. Ein KPN-Sprecher war Montag zu keiner Stellungnahme bereit, ob niederländische Telekomunternehmen diese Zahlungen leisten würde. Am Sonntag hatte KPN die Mobiltelefone von KPNQwest aufgrund des Konkurses gesperrt.

Österreich-Tochter

Inzwischen wird weiter eine Zukunft für die KPNQwest Austria gesucht, die letzte Wo- che ebenfalls Konkurs hatte anmelden müssen. Der Betrieb des Netzes und aller Services werde jedenfalls so lange aufrecht erhalten, bis die Zukunft geklärt sei, hieß es dazu. Für die beiden Unternehmen, für die Konkurs angemeldet wurde - es sind dies die KPNQwest Services und die Assets -, gäbe es eine Reihe von Interessenten. Als potenzielle Käufer auch von Unternehmensteilen werden Internet-Service-Provider genannt, die eine starke ausländische Mutter haben, jedoch kein Leitungsnetz in Österreich. Zur Diskussion steht auch ein Management-Buyout.

Die Chancen für eine Weiterführung seien gut, da die Geschäfte der Österreich-Töchter laut Masseverwalter Christof Stapf immer profitabel waren. Allerdings ist auch in Österreich der Zeitdruck enorm, da alleine die Aufrechterhaltung und Servicierung mit Kosten - geschätzt wird eine Million Euro im Monat - zu Buche schlagen. Außerdem war bis zuletzt unsicher, welche Auswirkungen ein Abschalten des internationalen Netzes auf Österreich haben würde. "Wenn man nun einen Teil rausnimmt, wird natürlich der verbleibende Rest unschlüssiger", meinte dazu ein Experte. (spu, ruz/ Der Standard, Printausgabe vom 11.6.2002)

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