Wir Billigkäufer

10. Juni 2002, 21:51
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Die Diskonter haben gewonnen. Lieber Billigpreise als Vielfalt - Von Leo Szemeliker

Die Diskonter haben gewonnen. Lieber Billigpreise als Vielfalt. "Deutschland" siegt über "Italien" auf österreichischem Boden, könnte man klischeehaft resümieren. "Effiziente Produktion - günstig für die Massen, aber ohne Geschmack" zieht wieder einmal gegen "feine Geschmacksvielfalt - ziemlich teuer halt, etwas für verwöhnte Minderheiten".

In den Verbrauchermärkten des Marktführers im heimischen Lebensmittelhandel fliegen derzeit reihenweise Waren aus den Regalen. Zunächst sind es nur unterschiedliche Packungsgrößen. Zugunsten der "Schnelldreher", voraussichtlich auch zugunsten von supergünstigen Ein-Euro-Sonderangeboten. Bei massenhaft nachgefragten Artikeln soll auch immer Masse vorhanden sein. Weniger oft Nachgefragtes wird teilweise eben gar nicht mehr angeboten. Kuhmilchallergiker werden vielleicht noch Ziegenkäse finden, aber keine Ziegenmilch mehr. Ab zum Spezialisten.

Kein Vorwurf

Vordergründig ist einem privaten Unternehmen natürlich kein Vorwurf zu machen, wenn es die Kostenstruktur optimiert, dabei unrentable Ladenhüter eliminiert, um sich im Wettbewerb besser aufzustellen. Es gibt keinen Versorgungszwang mit Limonade in vier Flaschengrößen - unser Leben hängt nicht davon ab.

Hintergründig ist der Trend zu immer tieferen Preisen allerdings nicht nur positiv zu sehen. Viele Konsumenten freut's zwar, aber billig gekauft heißt nicht selten teuer gekauft. Die Lebensmittelindustrie steht in Österreich angesichts der höchsten europäischen Konzentration im Lebensmittelhandel unter einem extremen Druck, laufend noch billiger zu produzieren, mit allen fragwürdigen Mitteln, die "schwarze Schafe" da so erfinden - oder eben die Produktion in Billiglohnländer auszulagern. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2002)

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