Zweifel am Kriminalitätsbericht

10. Juni 2002, 19:34
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Rätsel um Rückgänge bei Alltagsdelikten, Auswertungsfehler möglich

Wien - An der jüngst präsentierten Kriminalstatistik für das Jahr 2001 tauchen massive Zweifel auf. Vor allem die Erklärungen von Innenminister Ernst Strasser (VP), warum manche Delikte im Vergleich zu 2000 um bis zu 20 Prozent zurückgegangen sein sollen, werden von Kritikern als unschlüssig bewertet. In der Internetausgabe des Fachmagazins Der Kriminalbeamte ist von einem "Zahlenrätsel mit Delikten" die Rede.

Wie berichtet weist die aktuelle Statistik bei den Anzeigen einen erfreulichen Rückgang von 7,7 Prozent auf. Aber auch die Aufklärungsrate ist von 48,7 auf 41,7 Prozent gesunken. In den 90er-Jahren konnte noch mehr als jedes zweite Vergehen oder Verbrechen aufgeklärt werden.

Strasser führte die gesunkene Erfolgsrate auf "Einbrüche ausländischer Straftäter" zurück. Diese würden einen "Bruch" begehen und rasch wieder das Land verlassen. Gleichzeitig gab Strasser aber auch an, dass Einbruchszahlen generell um 5,5 Prozent gesunken seien.

Körperverletzungen

Rätselhaft scheint das starke Minus bei Körperverletzungen um 22 Prozent. In absoluten Zahlen: 6854 weniger als im Jahr 2000. Ein derartiger Rückgang ist einmalig in der Kriminalgeschichte der Zweiten Republik. Und, wie erfahrene Kriminalisten meinen, ohne einschneidende Maßnahmen, wie zum Beispiel Gesetzesänderung, nahezu unmöglich. Denn bei Körperver- letzungen handle es sich um "Alltagsdelikte"; diese seien in den letzten Jahren konstant geblieben. Auch für den starken Rückgang bei Betrug gibt es keine Erklärungen. Laut Kriminalstatistik haben sich gewerbsmäßige Betrugsfälle von 4893 auf 2453 halbiert.

Für Argwohn sorgt zudem, dass sich die Bundeshauptstadt im Zahlenvergleich als "Ausreißer" entpuppt. In der Wiener Bundespolizeidirektion kursieren Statistiken, denen zufolge Anzeigen um 30 Prozent - bei Straßenraub sogar um rund 50 Prozent - zugenommen haben sollen. Die inoffizielle Horrormeldung zur Wiener Aufklärungsquote: minus 20 Prozent. SP-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni warf Strasser am Montag vor, eine "geschönte Mogelpackung" vorgelegt zu haben.

Eine mögliche Erklärung der Zahlenrätsel liegt in der erst im Februar 2000 eingeführten EDV-Auswertung. Nun häufen sich Gerüchte, dass sich bei der Faktorenberechnung ein Hund eingeschlichen habe. (simo)

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