Zwei Drittel der malignen Melanome von einem Gen ausgehend

10. Juni 2002, 19:47
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Erster Durchbruch einer systematischen Genom-weiten Suche nach Krebs-Ursachen

London - Forscher haben erstmals nachgewiesen, dass zwei Drittel der bösartigen Hauttumore (maligne Melanome) Mutationen in einem einzigen Gen haben. Es ist dies der erste Durchbruch einer systematischen Genom-weiten Suche nach Krebs-Genen im Zuge des im Jahr 2000 gestarteten Cancer Genome Projects (CGP) . Das Sequenzierungsprojekt des Humangenoms soll im April 2003 abgeschlossen sein. Bis dato haben die Forscher lediglich ein Prozent der geschätzten 30.000 menschlichen Gene mit der Gensequenz einer großen Bandbreite von kanzerogenen und gesunden Zelllinien verglichen. Mike Stratton, Co-Direktor des CGP am britischen Wellcome Trust Sanger Institute, zum Forschungserfolg: "Die Entdeckung könnte direkt zu einer neuen Behandlung maligner Melanome führen." Mit ersten wirksamen Medikamenten rechnet Stratton allerdings erst in 15 Jahren.

Das Forscherteam stellte fest, dass das Gen BRAF in 66 Prozent der malignen Melanome mutiert ist, ebenso wie in zehn Prozent bei Dickdarmkrebs und zu einem niedrigeren Prozentsatz in anderen Tumorarten. Es war bereits bekannt, dass BRAF in der Kontrolle des Zellwachstums beteiligt ist. "Das Gen kodiert für ein Enzym, das andere Proteine mit einer Phosphatgruppe ausstattet. Eine geringfügige Mutation in Krebszellen schaltet das Gen permanent an und so erfolgt permanent ein Signal für ein Zellwachstum", erklärte Stratton. Die Suche nach einem Medikament, das diesen On-Zustand des Gens rückgängig macht, hat bereits begonnen. Derartige Medikamente würden erwartungsgemäß das Krebswachstum stoppen. Die Hoffnung der Forscher ist groß, spielt ein Gen der selben BRAF-Familie auch eine wesentliche Rolle bei einer anderen Krebsform, der chronischen myeloiden Leukämie. Tests haben bereits gezeigt, dass ein Medikament das Gen bei diesen Leukämie-Patienten erfolgreich blockiert.

Im Rahmen des CGP wurden systematisch alle Gene, die bei 48 Krebsformen des Menschen eine Rolle spielen, untersucht. Es wurden 1.500 Krebszelllinien gesammelt, um diese mit gesunden Zellen zu vergleichen. Mike Dexter, Wellcome-Trust-Direktor rechnet damit, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre damit, dass das CGP einen Großteil der bei Krebs beteiligten Gene identifiziert hat. Laut Dexter sollen diese Informationen zu einer "Revolution" in der Krebsbehandlung führen – u.a. bei der Behandlung bösartiger Melanome. Maligne Melanome machen zwar "nur" elf Prozent aller Hautkrebsfälle aus, führen aber in jedem Fall zum Tod.(pte)

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