Gauß erwägt Klage gegen Luc Bondy

10. Juni 2002, 20:03
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Der Autor erwägt, den Intendanten der Wiener Festwochen wegen Rufschädigung zu klagen

Wien - Ein Interview mit Luc Bondy in der aktuellen Ausgabe des Magazins "profil" zeitigt möglicherweise gerichtliche Folgen: Der Essayist Karl-Markus Gauß erwägt, den Intendanten der Wiener Festwochen wegen Rufschädigung zu klagen. Bondy hatte Gauß bezichtigt, "offenbar unbewusst auf das rhetorische Arsenal des Antisemitismus" zurückgegriffen zu haben.

Gauß, dem dies wegen der Kommentierung einer von ihm beobachteten Eitelkeit Bondys (im Buch Mit mir, ohne mich) unterstellt wird, wendet sich in einem Essay für den STANDARD auch gegen die inflationäre Benutzung des Begriffs "antisemitisch": "Der Vorwurf, ein Antisemit zu sein, wird durch unernsten Gebrauch bald jede konkrete Bedeutung verloren haben."

Gauß schließt im Gespräch mit dem STANDARD nicht aus, dass man beim "profil" nach einem "heimischen Fall Walser" gesucht und daher Bondy allzu forciert in diese Richtung befragt habe. Martin Walser wird bekanntlich aufgrund seiner Polemiken gegen Marcel Reich-Ranicki ebenfalls als "antisemitisch" kritisiert. Gauß: "Wie komme jetzt aber gerade ich dazu, der österreichische Walser zu sein?"

Erstaunen äußern auch Gauß' Verleger: "Die Unterstellung, dass im Paul Zsolnay Verlag Bücher erscheinen, die dem Antisemitismus auf welche Weise auch immer Vorschub leisten, verwundert auch deshalb, da wir erst vor wenigen Wochen einen Vertrag unterzeichnet haben, der vorsieht, dass das nächste Buch Bondys 2003 bei Zsolnay herauskommen soll." (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2002)

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