Italiens Linke feiert Trendwende

10. Juni 2002, 19:33
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Deutliche Gewinne im zweiten Durchgang der Kommunalwahlen

Italiens Mitte-links-Bündnis konnte bei der Kommunalwahl am Sonntag und am Montag laut ersten Hochrechnungen deutlich zulegen. In 75 Großstädten wurden Stichwahlen durchgeführt, zudem wurden drei Landesregierungen neu bestellt. Das Mitte-links-Bündnis konnte den Hochrechnungen zufolge die Bürgermeistersessel in den piemontesischen Gemeinden Asti, Alessandria und Cuneo erringen; auch die Städte Carrara oder Piacenza konnten aus der Hand der Rechten zurückerobert werden. Im süditalienischen Cosenza landete die Mitte-links-Kandidatin gar einen Erdrutschsieg. Ein absolutes Kopf-an-Kopf-Rennen zeichnete sich hingegen in Verona - das seit Jahrzehnten von der Rechten regiert wurde - und Gorizia (Görz) ab. Das Rechtsbündnis wurde von den Demoskopen nur in kleineren mittel- und süditalienischen Städten in Führung gesehen.

Das Ulivo-Bündnis feierte das Wahlergebnis als deutliche Trendumkehr. Oppositionsvertreter sagten in ersten Stellungnahmen, die Linke habe sich vor allem in Nord-und Mittelitalien deutlich konsolidieren können, die Regierung Silvio Berlusconis verliere nach einem Jahr an der Macht klar an Sympathien. Die Linke gewann vor allem in jenen Städten, wo es zu klaren Bündnissen mit den im ersten Wahldurchgang getrennt kandidierenden Kommunisten gekommen war.

Regierungsvertreter zeigten sich enttäuscht: Lokale Ereignisse und Kandidaten hätten eine entscheidende Rolle gespielt, das Ergebnis lasse keine Rückschlüsse auf die römische Regierungspolitik zu. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2002)

Andreas Feichter aus Rom
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