Flüchtlinge: UNO rügt Madrid

10. Juni 2002, 19:42
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Immigrantenkinder angeblich misshandelt

Die Vereinten Nationen gehen mit Spanien hart ins Gericht. Die Behandlung von Kindern aus sozialen Minderheiten sei "zutiefst alarmierend", heißt es in einem elfseitigen Bericht des Komitees für Kinderrechte. Diese Stellungnahme ist die Antwort der UN auf ein Dokument über die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen, das Spanien vor wenigen Wochen anlässlich des UN-Weltkindergipfels in New York vorgelegt hat.

Ceuta und Melilla

Neben dem Nachwuchs von Sinti und Roma, die nur mangelnde Schulbildung und Gesundheitsversorgung genießen, beklagt die UN vor allem die Bedingungen unter denen minderjährige Einwanderer, die ohne Eltern ihr Glück in Spanien suchen, leben. Der Bericht konzentriert sich auf die beiden spanischen Enklaven Ceuta und Melilla an der marokkanischen Mittelmeerküste. Trotz eines doppelten Grenzzaunes und strengen Kontrollen gelingt immer mehr Einwanderern der Grenzübertritt, unter ihnen hunderte von Kindern, meist marokkanischer Herkunft. In diesem Jahr hat sich die Zahl der minderjährigen Einwanderer ohne Eltern gegenüber 2001 verdoppelt.

Die Behörden sind von Gesetzes wegen verpflichtet, sich dieser Kinder und Jugendlichen anzunehmen. Doch die vorhandenen Aufnahmeheime sind nach UN-Angaben "restlos überfüllt". Viele Kinder leben deshalb auf der Straße, sie seien zudem "Misshandlungen seitens der Beamten" ausgesetzt.

Die Regierung in Madrid sieht das freilich anders. "Wir wissen nicht, auf was sich die Vereinten Nationen stützen", heißt es in einer Erklärung. Die Stadtverwaltungen von Ceuta und Melilla bezeichnen den Bericht des Kinderkomitees als "falsch und manipuliert". Die UNO sei ein "Witzverein", schimpfte Mohamed Chaib, zuständig für Soziales in Melillas Stadtregierung. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2002)

Reiner Wandler aus Madrid
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