Ein intellektueller Bauernbündler für die Landesspitze: Herwig van Staa

10. Juni 2002, 20:01
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Wallnöfers Schwiegersohn ist fast am Ziel

Dass er mit seinem Schwiegervater verglichen wird, bleibt ihm ohnehin nicht erspart. Also auch nicht der Hinweis, dass Eduard Wallnöfer knapp 50 war, als er Landeshauptmann wurde - Schwiegersohn Herwig van Staa ist gerade 60 geworden. Im Herbst, ein Jahr nachdem van Staa Chef der Tiroler Landespartei geworden ist, wird ihm Wendelin Weingartner Platz machen.

Dass der gebürtige Oberösterreicher van Staa einen so langen, so gewundenen Weg einschlagen musste, um nun an der Tiroler Landesspitze zu landen, das hat allerdings auch mit dem Schwiegervater zu tun. Dieser war 1963 (ein Jahr vor den ersten Olympischen Winterspielen in Innsbruck) ins Amt gekommen und fast ein Vierteljahrhundert geblieben.

Solange aber ein Wallnöfer an der Landesspitze stand, so lange sollte kein zweiter aus der Familie in die Politik gehen. Also verschrieb sich der seinerzeit in der Studentenpolitik engagierte Schwiegersohn - der 1974 Luise Wallnöfer geheiratet hatte - der Wissenschaft. Er machte zwei Doktoratsstudien und holte nebenbei noch einen Magistertitel (Rechtswissenschaften, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften) und etablierte als Professor ländliche Entwicklung sowie Agrarökologie als Fachbereiche, die es zuvor in Österreich kaum gab.

Konflikte mit dem Schwiegervater, der im besonderen Ruf als "Betonierer" stand, blieben da nicht aus. Zwanzig Jahre lang hat van Staa (dessen aus dem Rheinland stammender Vater im Krieg gefallen ist) im Hause Wallnöfers - auf dessen Hof in Barwies - gelebt. Das Verhältnis hat er einmal so beschrieben: "Oft war's ja so bei ihm, wie es bei vielen mächtigen Männern ist, dass die Umgebung nachdenkt, was der Chef denken könnte, um ihm dann genau das zu flüstern. Da habe ich oft die Vox populi gespielt, und das war nicht immer leicht. Oft hat er mich um meine Meinung gefragt, und als ich diese gesagt habe, hat er gebrummt: Jetzt sind alle dafür, und du bist dagegen. Da habe ich gesagt: Dann frag mich nicht. Und er hat gesagt: Fragen werde ich wohl noch dürfen."

Aus Frage und Antwort die Politik zu erlernen ist ein bewährtes Muster. Und als van Staa 1989 im Alter von 47 selbst in die Politik kam, zeigte er einen ebenso harten Kopf wie sein Lehrmeister. Er flog nach vier Jahren aus der Innsbrucker ÖVP-Fraktion, weil er sich an der Pension des Altbürgermeisters Alois Lugger gestoßen hatte. Er gründete die eigene, sehr erfolgreiche Liste "Für Innsbruck".

So wurde er vor acht Jahren Bürgermeister - und legte sich fortan erst recht mit der Partei-und Landesspitze an. Er sorgte dafür, dass nicht nur die Marke Tirol gepflegt wurde, sondern auch die Marke Innsbruck. Ab Herbst managt er dann die Marke, die er schon immer managen wollte.

Conrad Seidl
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