Ärzte wehren sich gegen Vorwurf unnötiger Röntgen

10. Juni 2002, 17:48
posten

"Unterbelichtete" Organe Darm, Brust, Niere

Wien - "Es kann nicht sein, dass nur der billigste Arzt der beste ist." Erwin Rasinger, ÖVP-Gesundheitssprecher und Mediziner, schäumt über die im STANDARD am Wochenende veröffentlichte Meinung des Wiener Gebietskrankenkassenchefs Franz Bittner, wonach jede fünfte radiologische Untersuchung (Röntgen, Ultraschall, Magnetresonanztomografie) überflüssig sei. Eine andere Studie geht sogar von jeder vierten aus. "Das ist durch nichts erhärtet", sagt Rasinger. "Und die, die immer Kürzungen im Gesundheitsbereich fordern, sind meist genau jene, die für ihre kranken Angehörigen Maximalmedizin wünschen."

Rasinger glaubt sogar, dass es in einigen Bereichen zu wenig radiologische Untersuchungen gibt: bei Dickdarm, Niere, Brust (Mammografie).

Außerdem komme der Arzt "in Teufels Küche", wenn ein Tumor an einem Patienten übersehen werde, weil er nicht zum Radiologen geschickt worden sei. Ärzte bräuchten von Experten klare Richtlinien und sollten nicht von Gesundheitsökonomen zu "Tätern" gestempelt werden.

Ähnlich argumentiert auch Gabriele Kogelbauer, Spitalsärztevertreterin und Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer: Es müsse einmal festgestellt werden, was in Ordinationen oder Instituten und was im Spital gemacht werden solle. Möglicherweise komme man sogar darauf, dass ins Krankenhauswesen mehr investiert werden müsse.

Digitale Vernetzung

Was das Röntgen betreffe, sei die Qualität der bildgebenden Verfahren im Spital häufig besser als in Instituten und Ordinationen. "Viel mehr achten" müsste man auf die Schnittstelle zwischen niedergelassenem Arzt und Spital. Kogelbauer hofft auf digitale Vernetzung. In ihrem Spital (Rudolfstiftung) werden die radiologischen Bilder gerade auf ein EDV-System umgestellt. Damit verringere sich das Problem verloren geganger Befunde. Außerdem könnte irgendwann auch der Hausarzt Zugriff auf die Patientendaten bekommen. Dadurch würden Doppelbefundungen ebenfalls vermieden.

Die Zahl der radiologischen Untersuchungen ist von 1995 auf 2000 in Österreich um 18,26 Prozent auf 1,788.000 Fälle gestiegen. (mon/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. Juni 2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Nierengegend ist laut Ärzten "unterbelichtet"

Share if you care.