WAZ-Konzern will ProSieben, Sat.1

10. Juni 2002, 18:57
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WAZ-Gruppe bestätigt Verhandlungen, aber "hausintern noch kein Beschluss" - Mögliche Partner Commerzbank und Columbia TriStar

Die WAZ-Gruppe bestätigte am Montag Verhandlungen über die Übernahme des Kerngeschäfts der KirchMedia. Gleichzeitig betonte ein Sprecher, es gebe hausintern noch keinen Beschluss dazu. Laut Branchenkreisen bestehen an dem Geschäft aber kaum Zweifel. Der Vorstand der Commerzbank, die neben dem Hollywood-Studio Columbia TriStar zum Konsortium gehört, berät das Engagement heute, Dienstag.

Nach Medienberichten will das Konsortium etwa zwei Milliarden Euro für die Film- und Sportrechte sowie die Mehrheit an ProSiebenSat.1 zahlen. Davon gingen 1,4 Milliarden Euro an die Gläubigerbanken, zu denen auch die Commerzbank zählt. Zudem könnten 500 Millionen Euro an Hollywoodstudios fließen, denen Kirch Geld schuldet. 100 Millionen Euro würden sonstige Kreditgeber bekommen.

Das legendäre Filmarchiv Leo Kirchs indes ist offenbar weniger wert als bisher dargestellt: Ein Drittel der fast 10.000 Filmrechte wird als schwer verkäuflich eingestuft, 113 nur zählt die Investmentbank UBS Warburg zur Topkategorie. Auch rund ein Viertel seiner Serienvorräte gelten als schwer oder nicht sendbar.

Das Konsortium macht durchaus Sinn:

  • Die WAZ könnte ihr Know-how im Medienbereich einbringen, müsste allerdings ihre 20 Prozent an einer gemeinsamen TV-Holding mit Bertelsmann verkaufen, der 37 Prozent an RTL gehören.
  • Die Commerzbank steuerte Finanzerfahrung bei, könnte ihre Kredite umwandeln,
  • Columbia TriStar bringt Filmrechte.
  • WAZ und Bank sollen 40, das Studio 20 Prozent halten. Diese Gruppe erfreut sich auch der Unterstützung deutscher Politiker, allen voran jener der rot-grünen Regierung. Kanzler Gerhard Schröder hat vor einem Einstieg des australoamerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch oder des Italieners Silvio Berlusconi, der auch Ministerpräsident ist, gewarnt.

    Die WAZ unterhält dank des neuen Geschäftsführers Bodo Hombach beste Kontakte: Er war vor seinem EU-Engagement Kanzleramtsminister unter Schröder.

    Die WAZ-Gruppe ist auch weiter an einer Übernahme von Kirchs 40 Prozent am Axel Springer Verlag (Bild, Die Welt) interessiert. Allerdings lehnt Verlegerwitwe Friede Springer den Einstieg eines Konkurrenten ab und könnte dies auch verhindern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 11.6.2002)

    Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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