OÖ: Fingierte Untersuchungen eines Gynäkologen

10. Juni 2002, 14:27
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Acht Monate bedingt für Mediziner

Wels - Wegen Untersuchungen, die er der Gebietskrankenkasse verrechnet, in Wahrheit aber nie durchgeführt hatte, wurde ein oberösterreichischer Frauenarzt am Montag am Landesgericht Wels wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges zu acht Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Mediziner hatte zunächst den Vorwurf der Anklage zurückgewiesen, er habe der Kasse in den Jahren 1997 bis 2000 insgesamt mehr als 9.000 Rektaluntersuchungen verrechnet, die er nicht durchgeführt habe, und dadurch der Kasse einen Schaden von rund 13.500 Euro verursacht.

Frauen schlossen Untersuchung aus

Bei einer ersten Verhandlung im März vergangenen Jahres argumentierte er, die Vorwürfe würden auf Befragungen der Patientinnen durch die Kasse beruhen. Da diese Untersuchung aber meist nur wenige Sekunden dauere und die Patientinnen nichts spürten, hätten die Frauen den Eindruck gehabt, überhaupt nicht untersucht worden zu sein.

Das Gericht vertagte daraufhin die Verhandlung. In der Folge verschickte es Fragebögen an 2.000 Patientinnen. Sie wurden ersucht, bekannt zu geben, ob sie untersucht worden seien oder nicht. 387 Patientinnen schlossen dabei eine solche Untersuchung bei dem beschuldigten Arzt dezitiert aus. Diese 387 Frauen sollten nun in den Zeugenstand gerufen werden. Nach 20 Zeuginnen kam am Montag die überraschende Wende im Prozess: Der Mediziner legte ein Geständnis ab.

Das Gericht verurteilte den Frauenarzt im Sinne des Strafantrages. Es ging letztlich davon aus, dass 1.100 Untersuchungen zu Unrecht verrechnet worden seien, bezifferte aber den Schaden nicht konkret, sondern nahm an, dass er 2.000 Euro übersteige. (APA)

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